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Gießen

Neuer Radweg Frankfurter Straße: VCD Gießen kritisiert sicherheitsrelevante Mängel

Endlich wurde der Radweg in der Frankfurter Straße in Gießen komplettiert. Leider gibt es aber einige deutliche Wermutstropfen bei der Ausgestaltung. Ladezonen und gefährliche Einfädelungen trüben das Bild.

In Gießen tut sich was in Sachen Radverkehr: nach der Einrichtung einer Fahrradstraße in der Goethestraße und weiteren Verbesserungen wurde nun endlich auch der Radweg in der Frankfurter Straße zwischen Robert-Sommer-Straße und Schubertstraße komplettiert. Diese seit langem versprochene und nun umgesetzte Maßnahme verbessert die Anbindung der südlichen Stadtteile an die Innenstadt. Der Kreisverband Gießen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) erhofft sich dadurch eine Attraktivtätssteigerung des Fahrrads – insbesondere für Alltagswege. Leider gebe es aber einige deutliche Wermutstropfen bei der Ausgestaltung des immerhin 2,50 m breiten Radwegs, so Vorstandsmitglied Patrik Jacob. So sei völlig unverständlich, dass in Höhe der Autohäuser zwei Ladezonen ausgewiesen wurden, die den Radweg unterbrechen. Mit ca. 10.000 m² bzw. 5.500 m² wiesen die Autohändler genügend Freiflächen auf, um notwendige Ladevorgänge auf dem eigenen Grundstück abzuwickeln. Ein Lkw benötige lediglich eine Grundfläche von ca. 50 m². Fahrradfahrer würden durch das notwendige Einfädeln in den fließenden Verkehr gefährdet, weil die Stadt den Autolobbyisten nicht einmal zumute, 0,5% der eigenen Flächen für die Anlieferung zu nutzen statt sich kostenlos des Öffentlichen Raums zu bedienen.
Ebenfalls misslungen sei der Bereich der Kreuzung zur Robert-Sommer-Straße. Das bestehende Problem, dass Radfahrer, die indirekt aus Kleinlinden links abbiegen, zeitgleich mit dem Autoverkehr die Engstelle in Höhe der Bushaltestelle erreichen, sei nun noch erheblich verschärft worden, da mit der neuen Verkehrsführung genau hier die linke Fahrspur ende und sich dazu die Radfahrer in den fließenden Verkehr einordnen müssten. Der VCD fordert hier eine umgehende Entschärfung des Konflikts, indem die rechte Fahrspur in die linke übergehe. Dies ermögliche dann auch einen durchgängigen Radweg ab dem Kreuzungsbereich. Zusätzlich müsse der Umbau der gesamten Kreuzung höchste Priorität haben, um eine bequeme, sichere und schnelle Linksabbiegemöglichkeit für Radfahrer aus Richtung Kleinlinden zu schaffen.
Unverständlich sei zudem, dass an der Kreuzung zur Schubertstraße weiterhin zwei Geradeaus-Spuren für den Kfz-Verkehr abmarkiert wurden. Die extrem geringe Breite von 5,0 m für zwei Spuren lasse unverantwortliche Überholmanöver auf den lediglich 100 m zweispurigen Verlaufs befürchten, zumal hier noch die Bushaltestelle ein zusätzlicher Konfliktpunkt sei. Der notwendige seitliche Abstand zu Radfahrern von 1,5 m werde dabei leider vermutlich allzu häufig missachtet, so der VCD.
Dies alles zeige, dass dem Autoverkehr von der Stadtverwaltung noch zu oft Priorität eingeräumt werde und dem Radverkehr das Nachsehen bleibe. Dies sei nicht mehr zeitgemäß. Während Städte wie Paris oder Berlin binnen kürzester Zeit hunderte Kilometer an Radverkehrsanlagen schaffen, während in Italien oder Spanien kurzerhand ganze Innenstädte vom Autoverkehr befreit werden und sich die Händler deswegen über steigende Umsätze freuen, müsse man in Gießen beinahe froh sein, dass jahrelange Planungen nun mängelbehaftet zur Umsetzung kämen.

 

 

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