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VCD: Geplantes Tempo 50 ist Affront gegen Kleinlindener Bevölkerung

Als Rückschritt in die autogerechte Welt der 60er und 70er-Jahre bezeichnete der Gießener Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) die im Ortsbeirat Kleinlinden vorgestellten Planungen der Stadt Gießen zur Wetzlarer Straße. Neben der Abmarkierung von 30 Parkplätzen ganz oder teilweise auf dem Bürgersteig solle künftig in dem Abschnitt zwischen Lützellindener Straße und Burghotel Tempo 50 gelten. Bislang sei hier Tempo 30 vorgeschrieben. Angesichts der gefährlichen und unübersichtlichen Situation in diesem Bereich mit einer Fußgängerampel und einem Zebrastreifen sei dies unverantwortlich. Während ein Auto bei Tempo 30 nach knapp 13 Metern zum Stehen komme, brauche es bei Tempo 50 über 27 Meter. Bei dieser Geschwindigkeit habe der Fahrer nach 13 Metern noch nicht einmal angefangen zu bremsen und treffe den Fußgänger mit seiner vollen Wucht. So endeten bei Tempo 50 acht von zehn Unfällen mit Fußgängern tödlich. Bei Tempo 30 sterben zwei bis drei von zehn Angefahrenen.

Hinzu komme die steigende Lärm- und Umweltbelastung bei höheren Geschwindigkeiten, die besonders die Bewohner in der engen Wetzlarer Straße träfen, deren Fenster teilweise nur einen guten Meter vom Straßenrand entfernt seien, so Patrik Jacob für den VCD.

Ebenfalls zu kritisieren sei die geplante umfangreiche Abmarkierung von Parkplätzen ganz oder teilweise auf dem Bürgersteig. In einigen Fällen bleibe gerade einmal eine Mindestbreite von 1,50 Metern zwischen geparktem Auto und Hauswand. Zuwenig um eine unproblematische Begegnung zwischen zwei Fußgängern zu erlauben, ganz zu schweigen von den Problemen für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen oder Kinderfahrräder. Die Richtlinien für einen Neubau sähen üblicherweise Breiten von mindestens zwei Metern vor.

Weder werde so das Ziel des Ortsbeirats erreicht, durch parkende Autos den Durchgangsverkehr zu verlangsamen noch gewänne die Wetzlarer Straße an Aufenthaltsqualität für Fußgänger. Die von der Stadt als Kompromiss zwischen den Interessen bezeichnete Planung falle eindeutig zugunsten des Durchgangsverkehrs aus, so der VCD. Die Interessen des Ortsbeirats und der Kleinlindener Bevölkerung würden durch das Vorhaben der Stadt missachtet. Letztlich könne man für die Verantwortlichen bei der Stadt nur hoffen, dass es nicht zu schwerwiegenden Unfällen komme.

Der VCD hoffe, dass die vorliegende – auch vom Ortsbeirat abgelehnte – Planung von der Stadt nochmals grundlegend überarbeitet werde.

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