Hessen

Wiesbaden & Rheingau-Taunus, Bahn & Bus, Pressemitteilung
Wiesbaden & Rheingau-Taunus

Zukunft der Ländchesbahn nicht durch kurzsichtige Maßnahmen verbauen

In einer gemeinsamen Pressemitteilung warnen die Vereine Wiesbaden neu bewegen e.V., VCD sowie Pro Bahn & Bus vor baulichen Maßnahmen an der Ländchesbahn, die den für eine Taktverdichtung nötigen zukünftigen Ausbau verhindern könnten.

Die Ländchesbahn verbindet Wiesbaden mit den wachsenden Mittelzentren Idstein und Limburg; sowie mit dem Verkehrsknoten Niedernhausen. Sie erschließt für die östlichen Wiesbadener Stadtteile sowohl die S-Bahnlinie 2 nach Höchst und Frankfurt, als auch den Wiesbadener Hauptbahnhof - und neben der Rheingaulinie somit bald auch die neue Wallauer Spange. Nicht nur während der Sperrung der Eisenbahnstrecken unter der Salzbachtalbrücke hat sich die Wichtigkeit der Ländchesbahn gezeigt. Mit der Siedlungsentwicklung im Bereich Erbenheim wird die Bedeutung der Strecke in Zukunft deutlich ansteigen. So soll die Ländchesbahn das Rückgrat der ÖPNV Anbindung der neuen BKA-Zentrale werden.

Um dann montags bis freitags durch Verdichtung des Fahrplans vom jetzigen Halbstundentakt auf einen Viertelstundentakt ein attraktiveres Angebot mit höherer Transportkapazität zu schaffen, sind auf der eingleisigen Strecke mehr zweigleisigen Überhol- und Begegnungsstellen als heute notwendig. Dem Haltepunkt Erbenheim kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, lagen in diesem Bereich doch schon früher mehr als nur zwei Gleise.

Der Verein Wiesbaden neu bewegen, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Wiesbaden & Rheingau-Taunus und der Fahrgastverband Pro Bahn&Bus befürchten, dass die Chance die Ländchesbahn künftig zu einer Verkehrsachse mit der Attraktivität einer S-Bahn zu entwickeln, verbaut wird. Grund dafür sind zwei aktuelle Investitionsprojekte von Deutsche Bahn AG Tochterunternehmen, die für das zweite Gleis benötigte Flächen tangieren.

So ist für den Haltepunkt Erbenheim derzeit der Bau eines neuen Bahnsteigs geplant - an einer Stelle, die auf der Trasse des früheren zweiten Gleises liegt. Mit Blick auf den “Verbau der Option zur Zweigleisigkeit” haben Wiesbaden neu bewegen e.V., der VCD, Pro Bahn&Bus und andere im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens Einwendungen erhoben, welche im Rahmen des Verfahrens von den zuständigen Stellen noch zu beantworten sind.

Weiterhin wird derzeit die Eisenbahnüberführung in Erbenheim über der Berliner Straße erneuert. In diesem Bereich befindet sich neben der für das aktuell benutzte Gleis benötigten Brücke eine weitere Brücke für ein zweites Gleis. DB-Netze plant hier aber nur eine Brücke für eine eingleisige Strecke. Daher stellt sich den Vereinen bei diesem Projekt die Frage, ob dabei die Option für eine Streckenerweiterung durch den Einbau einer zweiten Brücke offen gehalten wird?

“Der zukünftige Ausbau der Ländchesbahn darf nicht durch kurzsichtig geplante Investitionen heute blockiert und künstlich verteuert werden”,

stellt Wito Harmuth, 1.Vorsitzender von Wiesbaden neu bewegen e.V., fest. Wir können es uns nicht leisten, heute gebautes in einigen Jahren wieder abzureissen und somit doppelt zu bezahlen. Zumal sich solche Fehlinvestitionen auch auf die Kosten-Nutzen-Rechnung für den Ausbau der Ländchesbahn auswirken.

Der VCD, Wiesbaden neu bewegen e.V und Pro Bahn&Bus fürchten, dass nicht alle verantwortlichen Akteure an einem Strang ziehen: durch den Umbau des Haltepunktes Erbenheim, sowie die Erneuerung der Eisenbahnüberführung der Berliner Straße scheint der Weg zu einer Überhol- und Begegnungsstelle dauerhaft verbaut zu werden: 15-Min-Takt für immer Ade?!

“Wo ist der Anwalt für eine attraktive Ländchesbahn? Wer sorgt dafür, dass der in wenigen Jahren händeringend gesuchte Gestaltungsspielraum nicht in diesem Jahr - wieder besseres Wissen - zubetoniert wird?” fragt daher Wito Harmuth weiter. “Weder das Verkehrsdezernat noch der ‘Mobilitätsdienstleister der LH Wiesbaden’ ESWE Verkehr, scheinen hier ausreichende Kenntnis geplanter Maßnahmen oder Sensibilität oder Weitblick hinsichtlich möglicher indirekter Auswirkungen derselben zu haben”.

Daher fordern die Vereine, dass die aktuellen Planungen und Baumaßnahmen zur Brücke über die Berliner Straße und zum Umbau des Haltepunkts Erbenheim anzupassen sind, um sich die Option der Zweigleisigkeit nicht vorschnell zu verbauen bzw die Kosten für einen solchen Ausbau in der Zukunft zu erhöhen.

“Ein Gesamtkonzept für die Ländchesbahn, wie es im September 2021 von der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung im Ausschuss für Mobilität gefordert wurde, ist dringend erforderlich”,

sagt Stephan Kyrieleis, Sprecher des VCD Wiesbaden/Rheingau-Taunus. An diesem Gesamtkonzept seien alle Baumaßnahmen an der Ländchesbahn, sowohl von der DB als auch von Straßenbaulastträgern und Anliegern, auszurichten.

“Gerade im Zusammenhang mit dem Bau der Wallauer Spange ist es wichtig, den gerade einmal gut 2 km kurzen Abschnitt zwischen dem Abzweig Kinzenberg und der Station Erbenheim kurzfristig zweigleisig auszubauen, zumal dort schon früher ein zweites Gleis lag”, ergänzt Stefan Sitzmann, stellvertretender Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn&Bus.

Der Anteil der Nutzung des schienengebundenen ÖPNV soll bundesweit in der Fläche massiv steigen, um die Klimaziele des Verkehrssektors zu erreichen - das ist Konsens nahezu aller Parteien. Dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn alle Akteure zusammenarbeiten und nicht jeder seine eigenen Ziele verfolgt.

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