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Hessenweites Schülerticket: VCD fordert Offenheit von Verkehrsverbünden, Städten und Landkreisen

Der alternative Verkehrsclub Deutschland (VCD), Landesverband Hessen, begrüßt in einer ersten Stellungnahme, dass die Landesregierung ins landesweite Schülerticket Bewegung bringt. „Unser Ideal war ein Solidarmodell wie beim Semesterticket, weil dadurch ein noch niedrigerer Preis möglich gewesen wäre. Aber auch der 365-Euro-Vorschlag von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir ist ein klarer Fortschritt zum heutigen Tarifdschungel“, so VCD-Sprecher Daniel Sidiani.

Dass das Land bereit sei, hierfür 20 Millionen Euro im Jahr in die Hand zu nehmen, unterstreiche die Ernsthaftigkeit des Projekts.

Zweifellos seien hier viele Einzelinteressen unter einen Hut zu bringen. Von den drei Verkehrsverbünden, allen voran dem RMV, sowie den Landkreisen und Kommunen fordert der Verkehrsclub Deutschland aber, dass sie mit dem Vorschlag eines einheitlichen Schülertickets offen und konstruktiv umgehen. „Die Verbünde sind im eigenen Interesse gut beraten, hier nicht kurzfristig um den Cent zu feilschen, sondern langfristig zu denken. Wer Bus- und Bahnfahren in der Jugend als kompliziert, einschränkend und teuer wahrnimmt, der wird später voll aufs eigene Auto setzen. Umgekehrt formuliert: Zufriedene Schüler von heute sind die treuen, voll zahlenden Kunden von morgen.“ Auch den Verwaltungs- und Vertriebsaufwand für ein einheitliches Ticket schätzt der VCD Hessen geringer ein als bisher; diese Einsparungen müssten die Verkehrsverbünde mit einkalkulieren.

„Mobilität darf kein Luxus sein, sondern muss auch für Familien mit mehreren Kindern erschwinglich sein. Ein unkompliziertes landesweites Ticket berücksichtigt auch veränderte Lebenswelten: Die starre Festlegung auf einen einzigen Wohnort wird der Realität nicht mehr gerecht. In Zeiten von immer mehr Alleinerziehenden und Patchwork-Familien fährt das Kind eben nicht immer sofort nach der Schule zum elterlichen Wohnhaus, sondern auch mal für den Nachmittag zur Oma oder zum getrennt lebenden Vater. Das derzeitige Schülertarifsystem baut für diese Familien hohe bürokratische und finanzielle Hürden auf. Alles, was hier zur Vereinfachung beiträgt, sollten wir uns wohlwollend anschauen.“

Für eine abschließende Bewertung will der VCD Hessen das angekündigte Gutachten der Landesregierung abwarten. Dann müssten auch die Vorteile für Schüler aus Nordhessen herausgearbeitet werden, die mit dem NVV JugendFreizeitTicket 4all schon heute ein sehr attraktives Freizeitangebot genössen, das nur 180 Euro pro Schuljahr kostet.
 

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