Hessen

Bahn & Bus, Verkehrspolitik

IC-34 Frankfurt – Siegen – Münster, Erklärung der Verbände

Bessere Chancen mit mehr Halten in Mittelhessen

Voraussichtlich im Dezember 2020 geht die IC-Linie 34 an den Start. Sie verbindet Frankfurt mit Münster, ähnlich wie die frühere Interregiolinie. Damit bekommt die Dill- und Ruhr-Sieg-Strecke zwischen Wetzlar und Lethmate ihren Fernverkehr zurück. Richtung Norden soll es einzelne abweichende Zugläufe geben, und zwar sowohl nach Hagen - Essen als auch über Münster hinaus nach Norddeich.  Gießen werden die Züge generell auf der als "Bergwerkswaldkurve" genannten Umfahrungsstrecke umgehen, wogegen in Siegen der Hauptbahnhof angefahren wird, trotz des dort erforderlichen Fahrtrichtungswechsels. Regelmäßig Halte in Hessen werden Frankfurt, Bad Nauheim, Wetzlar und Dillenburg. In Nordrhein-Westfalen ist eine wesentlich höhere Haltestellendichte vorgesehen. Dort soll der IC34 einen Teil der Regionalexpresszüge ersetzen, dort ist auch die Integration in die Verbundtarife bzw. in den Landestarif vorgesehen. In Hessen hat sich der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) dagegen deutlich gegen die Anerkennung von Verbund-Fahrausweisen ausgesprochen. 

Die Verbände Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Fahrgastverband PRO BAHN (Regionalverband Mittelhessen) und der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus im Deutschen Bahnkundenverband begrüßen die Wiederaufnahme des Fernverkehrs ausdrücklich. Die Einbindung des Siegerlandes ins Fernzugnetz ist überfällig. Für die Region Mittelhessen sehen die Verkehrsverbände allerdings erheblichen Nachbesserungsbedarf. Denn was im Siegerland offenbar hohe Priorität genießt - die Einbindung der Züge in den Siegener Hauptbahnhof und damit in den wichtigsten Umsteigeknoten der Region - unterbleibt in Mittelhessen. Konkret geht es um den fehlenden Halt in Gießen, also in der größten Stadt der Region mit den meisten Umsteigemöglichkeiten. Gießen wird aus fünf Richtungen von Bahnstrecken erreicht, so viel wie keine andere Stadt der Region außer Friedberg. Die Bedeutung Gießens als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Gesundheitsstandort nimmt stetig zu.   

Ein Halt in Gießen wäre mit einem Fahrtrichtungswechsel der IC-34-Züge verbunden, entsprechend auch mit einem Fahrzeitverlust in der Größenordnung von schätzungsweise 10 Minuten. Das zusätzliche Fahrgastpotenzial macht die Fahrzeitverlängerung aber erträglich, zumal viele Fahrgäste durch die bessere Umsteigesituation in Gießen auch Zeit und Wege sparen. Für den Knoten Gießen gibt es Konzepte zum Ausbau (ein weiterer Bahnsteig, direkte Fahrmöglichkeit vom westlichen Bahnhofsteil in Richtung Wetzlar), so dass die technische Leistungsfähigkeit des Bahnhofs steigen und die Verspätungsanfälligkeit künftig sinken wird. 

 

 

In den Fahrplanentwürfen für den IC-34 sind engere Haltestellenabstände in Nordrhein-Westfalen als in Hessen zu erkennen, was auch damit zu tun hat, dass der IC-34 in NRW - in Absprache mit den zuständigen Zweckverbänden - Funktionen des Regionalverkehrs übernehmen soll, in Hessen dagegen ausdrücklich nicht. In Hessen wird es keine Kooperation zwischen dem Rhein-Main-Verkehrsverbund und der Deutschen Bahn geben, weder bei der gegenseitigen Anerkennung von Fahrausweisen noch beim Aufbau eines gemeinsamen Fahrplanangebotes.  Daraus ergeben sich für den hessischen Regionalverkehr teils gravierende Nachteile, welche die Freude über das neue Intercity-Angebot trüben.

 

IC 34 lässt den Regionalexpress Gießen - Siegen regelmäßig langsamer werden

Der Regionalexpress RE 99 bietet heute im exakten Stundentakt schnelle Verbindungen von und nach Siegen, wo - mit knapper Umsteigezeit - in den RE 9 nach Köln gewechselt werden kann.  Dieser Umstieg vom Regionalexpress zum Regionalexpress wird künftig nur noch alle zwei Stunden möglich sein. In den Stunden, in denen der IC 34 fährt, soll der RE 99 nicht nur nordwärts hinter und südwärts vor dem Doppelstock-Intercity her fahren, zusätzlich wird er voraussichtlich zwischen Dillenburg und Siegen auch noch durch zusätzliche Halte zur Regionalbahn abgewertet. Die schnelle RE-Verbindung zwischen Gießen und Siegen funktioniert dann nur noch alle zwei Stunden. Dazwischen ist die Fahrt im langsamen RE99 mit halt an allen Stationen zwischen Dillenburg und Siegen angesagt. Oder es könnte Umsteigeverbindungen Gießen - Wetzlar - Siegen geben, mit Nahverkehr zwischen Gießen und Wetzlar und IC-Verkehr zwischen Wetzlar und Siegen. Der RMV hat Pendelzüge Gießen-Wetzlar zur besseren Anbindung des ICs an Gießen in Aussicht gestellt, leider ohne ein kombiniertes Tarifangebot etwa für eine Fahrt von der Gießener in die Siegener Innenstadt mit ebendiesen Zügen. 

Die Reisekette Köln - Siegen - Frankfurt im RE 9 / RE 99 wird heute gerne von preissensiblen Kunden genutzt, die zwangsweise auch den knapp kalkulierten und häufig verpassten Anschluss in Siegen in Kauf nehmen. Diese Fahrgäste werden sich künftig auf die verbleibenden schnellen Verbindungen konzentrieren müssen - und dort an manchen Tagen für Überfüllungen sorgen. Nebenbei wird durch den IC 34 auch der spätnachmittägliche "LDK-Sprinter" Frankfurt - Wetzlar - Siegen aus seiner Fahrplanlage verdrängt, der zusammen mit seinem morgendlichen Gegenstück als schnelle Pendlerverbindung konzipiert ist und Gießen bereits heute auf der "Bergwerkswaldkurve" umgeht. 

Auch über die anderen mittelhessischen Halte der IC-Linie 34 kann und sollte diskutiert werden. Bad Nauheim hat sicher Potenzial für einen Fernzughalt, bessere Umsteigemöglichkeiten finden sich aber im benachbarten Friedberg. Und Herborn bietet ein ähnliches Fahrgastpotenzial wie Dillenburg. Die lange Wendezeit in Frankfurt, am südlichen Ende der IC-Linie 34, lässt weitere Halte in Mittelhessen ohne größere Probleme möglich werden. Sind sie auch sinnvoll, oder leidet die Reisezeit dann doch zu sehr? Die Priorität der Verkehrsverbände liegt auf dem wichtigen Zusatzhalt in Gießen.

 

 

 

VCD, der Fahrgasverband PRO BAHN (Regionalverband Mittelhessen) und Pro Bahn & Bus im Deutschen Bahnkundenverband erheben daher die folgenden Kernforderungen:

- Gießen muss Systemhalt der IC-Linie 34 werden.

- Der Rhein-Main-Verkehrsverbund und die Deutsche Bahn sollen sich auf gemeinsame Tarifangebote für den IC und den Regionalverkehr einigen, um die entstehenden Nachteile für RMV-Kunden abzumildern.

- Weitere Halte in Mittelhessen sollen geprüft werden, vor allem Friedberg und Herborn.

 

Verkehrsclub Deutschland Kreisverband Gießen e.V.

c/o Gerhard Born

Bernbachstraße 11

www.hessen.vcd.org

35457 Lollar

Tel. 06406 6892

 

Verkehrsclub Deutschland Regionalgruppe Lahn-Dill

c/o Barbara Böcher Frankenstraße 62a

www.hessen.vcd.org

35578 Wetzlar

Tel. 06441 277 34

 

Fahrgastverband PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen

Postfach 10 07 28

www.pro-bahn-mittelhessen.de

35337 Gießen

Tel. 06441 963 189 9

 

Fahrgastverband Pro Bahn & Bus 

Bahnhofstraße 102

www.probahn-bus.org

36341 Lauterbach

Tel. 06641 627 27

zurück