Hessen

Kolumne, Bahn & Bus

Kolumne: Abenteuer Eisenbahn. Bilanz eines Halbjahres auf deutschen Schienen

Deutschland belegt mit rund 10 Tonnen CO2 pro Nase weiterhin einen globalen Spitzenplatz beim Klimawandel, verfehlt ergo souverän die vereinbarten Klimaschutzziele. Ursache ist die intensive Mobilität. Nicht die geistige, sondern stattdessen die motorisierte. Geistig Mobile fordern daher, das Auto stehen zu lassen und Bahn zu fahren.

Ein frommer Wunsch. Denn gerüchteweise ist die Bahn eventuell nicht zuverlässig genug, um als Alternative zum Auto gänzlich zu überzeugen. Statistiken der Bahn können Zweifel nicht wirklich ausräumen. Um auch der verantwortlichen Politik eine sachliche Beurteilung der Qualität des Bahnverkehrs zu ermöglichen, bedarf es also einer vom Geschäftserfolg der Bahn unabhängigen Statistik. Hier ist sie, erhoben von einem treuen Bahnkunden:

110.000 Bahn-Kilometer im ersten Halbjahr 2018 bescherten dem Reisenden 57 Stunden Verspätung. Soweit der Reisende ermitteln konnte, waren die Ursachen unter anderem:

  • 36 Triebfahrzeugstörungen
  • 13 Signalstörungen
  •   6 Weichenstörungen
  •   4 Oberleitungsschäden
  •   3 Stellwerksstörungen
  •   4 Bahnübergangsstörungen

Unschuldig war die Bahn AG an 4 Fällen von „Personen im Gleis“ sowie einem „Notarzteinsatz an der Strecke“. Ob die Bahn auch unschuldig an der Einstellung des Fernverkehrs in Süddeutschland aufgrund eines Sturmes in Norddeutschland war, sei dem Leser überlassen.

Auch aus all diesen Gründen waren 9 ungeplante Umleitungen erforderlich.

Im Vergleich zum Gesamtjahr 2017 (200.000 Km) fällt der Anstieg der Verspätungszeit (70 h Gesamtj. 17) auf, dies überwiegend aufgrund der dramatisch steigenden Unzuverlässigkeit der Triebfahrzeuge.

Dringend braucht die Bahn ein effizientes Krisenmanagement. Sonst wird das nichts mit der Verkehrswende.

Herzliche Grüße und allzeit gute Fahrt wünscht Euch

Werner Geiß

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