Hessen

Kolumne

Kolumne: Beistand den Dieselfahrern

Beachtliche 32.000 Euro haben (lt. aktueller "fairkehr") Autokäufer letztes Jahr im Schnitt investiert, und so ein repräsentativer Premium-Diesel ist ja eher noch teurer. Bis heute früh war der das wirksame und anerkannte Investment in die Persönlichkeit schlechthin.

Der gedämpft nagelnde Sechs-Zylinder-Sound des silbernen, besser noch schwarzen Dienstwagens unterstützte die gesellschaftliche Teilhabe und Status und die berufliche Karriere. Mit ihren leicht getönten Scheiben verschaffte die Karosse die erforderliche elitäre Distanz des „Leistungsträgers“ zum übrigen Volk. Etwa jenen weniger wohlhabenden Schichten, die sich nur eine Mietwohnung an den Hauptverkehrsachsen leisten können. Oder den armseligen Pendlern in Bus und Bahn.

 

Und nun hat das Bundesverwaltungsgericht mit der Zulassung von Dieselfahrverboten diese bewährte Leitkultur niedergemacht. Die bösen Buben saßen bislang ja nur in den Chefetagen der Autoindustrie, so dass die Diesel-Pendler alltäglich ohne jegliches Schuldbewusstsein ihre Mitbürger vergiften durften und nicht im Traum daran dachten, fortan zum Pöbel in Bus und Bahn umzusteigen.

Das Urteil ist ein Affront gegen das Wertegefüge einer konservativen Leistungsgesellschaft. Mit dem dieselgetriebenen rollenden Wohnzimmer des deutschen Bürgertums geht wahrhaftig ein Stück Heimat verloren. Schon tuscheln missgünstige Nachbarn, wenn morgens der Diesel gestartet wird. Die Dieselfahrer verdienen unser Mitgefühl. Sie müssen ihre Mobilitätsgewohnheiten der Gesundheit sturer Stadtbewohner opfern, die doch längst auch in die schönen Reihenhäuser des Speckgürtels hätten umziehen können.

Liebe Dieselfahrer, Ihnen gilt unser Mitgefühl. Wir setzen uns für Ihre standesgemäße Mobilität ein. Wir fordern Abteile erster Klasse in allen Bussen und Straßenbahnen und exklusive Premium-Expressradwege. Und aus Solidarität müssen Fahrverbote grundsätzlich für alle Autos gelten.

Herzlichst Euer Werner Geiß

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