Hessen

Kolumne, Lebensstil, Klimaschutz

Kolumne: Europawahl

Grün wählen gleich grün leben, oder Grün wählen statt grün leben?

Eindeutiger Wahlsieger sind die Grünen, präferiert von jener typisch urbanen gehobenen Mittelschicht, der mitunter klimaschädlicher Statuskonsum wie Premium-Autos, Fernflugreisen und Schiffskreuzfahrten unterstellt wird.
So man diese Wahlentscheidung als Einsicht in einen Wertewandel interpretiert, dürfen wir doch nun mit einer Verkehrswende rechnen, die nicht nur von einer einfluss- reicheren grünen Politik, sondern gerade auch von einer aufgeklärten Gesellschaft getragen wird.

Wir rechnen fest damit, dass der Radverkehr massiv zunimmt, Bahnen und Busse rappelvoll und schon bald die Autostaus Geschichte sind. Dieselfahrverbote erledigen sich von selbst. Die höllisch lauten Riesenjets verschwinden, weil die neue, leisere und sparsamere Flugzeuggeneration ausreicht, um die schwindende Nachfrage nach Fernflugtouristik zu bewältigen. Es wird deutlich ruhiger im Luftraum über Rhein-Main. In deutschen Seehäfen legen Dreimastsegler dort ab, wo bislang überdimensionale Kreuzfahrtschiffe die Gegend verrußten.

Nun ja, heute, wenige Tage nach der Wahl, war’s noch nicht so weit. Frankfurts Straßen verstopft wie selten; eingekeilt zwischen Autos kamen Busse und Tram kaum von der Stelle. Der Verkehrsfunk im Radio berichtete nur noch über Staus ab 10 Km, um die Sendezeit nicht zu strapazieren. Über Rhein-Main dröhnten noch mehr Riesenjets als sonst.

Hatte das urbane Wahlvolk die Reisen schon vor seinem einsichtigen Wertewandel gebucht? Oder hat das Kreuz bei den Grünen schlicht den Wertewandel ersetzt?

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