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Kolumne: Lieber geistig abheben als starten

VCD zieht Konsequenzen aus der Flugscham:

Selten haben sich so viele Touristen geschämt. Denn der Flugverkehr übertrifft abermals alle bisherigen Rekorde.

So viel Trübsal war ja noch nie in den knallvollen Wide-Body-Fernfliegern. Die gnadenlose Fridays for Future-Jugend hat den Konsumenten weltweit gehörig die Stimmung vermiest, weshalb die dann frustriert noch weiter fliegen mussten. Wie kann man so noch  Urlaubsstimmung und Erholung genießen? Erst recht, wenn man dummerweise in Neu Seeland die Nachbarn trifft, die sogar Business Class geflogen sind und im Hilton nächtigen?
Der VCD weiß Abhilfe:

    1. Fernflugtourismus ist out. Ist doch rausgeschmissenes Urlaubsgeld, wenn man stolz das Selfie vorm Taj Mahal postet und prompt eine Retoure der Nachbarn vorm Opernhaus in Sydney erhält. Welche Schmach. Die sind viel weiter geflogen. Liebe Konsumenten: Fernfliegen bringt’s nicht mehr. Jeder war schon überall. Vor allem: jeder war noch weiter weg. Die neuen Statussymbole sind heute wieder die ganz alten: Theater-, Konzert-, Opern-Abo. So richtig im Abendkleid und schwarzen Anzug. Hinterher kluge Reden schwingen im Theaterrestaurant. Macht richtig Eindruck, wenn man sogar die Intendantin kennt. Ist nebenbei sehr klimaschonend. Fliegen tut doch nur noch der Pöbel.


    2. Fliegen ist Technik von vorgestern. Der Bomber Boeing B47 „Stratojet“ aus dem Jahre 1947 bleibt Pate aller „modernen“ Verkehrsflugzeuge. Gepfeilte Flügel, drunter die Turbinen, dreiteiliges Leitwerk hinten, das Ganze aus genietetem Alu-Blech. Und die üblichen Fan-Triebwerke trieben schon 1960 die Boeing 720b an. Schon vor 11 Jahren planten EU („Clean Sky“) und die NASA die überfällige Neukonstruktion von Verkehrsflugzeugen und Antrieben zwecks Halbierung des Verbrauchs und der Emissionen. Doch steuerfreies Kerosin war und ist weiterhin so billig, dass Airbus und sodann Boeing die Mitwirkung am teuren Projekt verweigerten. Als viel teurer erweist sich jetzt nach zwei Abstürzen mit Hunderten Todesopfern die Produktion eines 52 Jahre alten Flugzeugs mit inzwischen riesigen Fantriebwerken, die nicht mehr unter die Flügel passen. Die Boeing 737max muss am Boden bleiben. Alternative Konstruktionen wie Nurflügel, Entenflugzeuge oder Doppelrumpf mit großer Spannweite beweisen im Militär-, Experimental- und Privateinsatz, dass man viel klimafreundlicher fliegen kann. Mehr Auftrieb spart Antrieb. Anstelle der technisch ausgereizten Fans („Bypass“) sind offene Antriebe effizienter.


    3. Kostenwahrheit ist die Grundlage für einen volkswirtschaftlich und ökologisch vertretbaren Flugverkehr. Die sukzessive Aufhebung der Steuerbefreiung von Flugtreibstoffen liefert den  Anreiz für die Neukonstruktion von sparsamen Flugzeugen und Triebwerken. Aufgrund des geringeren Verbrauchs wird das Fliegen dann langfristig kaum teurer, und der viel geringere Treibstoffbedarf könnte vielleicht durch Ökosprit gedeckt werden. Schon die sparsameren Langstreckenjets Boeing 787 und Airbus 350 aus Verbundwerkstoff wurden explizit für profitablen Betrieb mit versteuertem Treibstoff ausgelegt. Also höchste Zeit für die Treibstoffsteuer!


Fazit: Flugtourismus darf nicht länger ein ausufernder, weil hoch subventionierter Statuskonsum bleiben.  Als unverzichtbarer Teil der Weltwirtschaft und schlicht als eine der größten Errungenschaften muss Fliegen aber weiterhin möglich und bezahlbar sein. Dies gelingt nur durch sparsame, innovative Technologie, die den Einsatz fossiler Brennstoffe erübrigt. Dann müssen wir uns beim Fliegen auch nicht mehr schämen.

Werner Geiß

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