Hessen

Kolumne, Flugverkehr

Kolumne Werner Geiß: Warum ich mich meistens vor der Montagsdemo gedrückt habe.

Die Montagsdemo am Flughafen hat längst Tradition. Im Jahrzehnte währenden Kampf gegen den permanent wachsenden Flugverkehr wurden dessen Folgewirkungen akribisch untersucht, daraus fundiert begründete Forderungen an Luftfahrtwirtschaft und Politik vorgetragen, deren Vertreter aber meist gar nicht anwesend waren.

Allein die ursächlich Verantwortlichen und deren Verhalten haben wir stets höflich geschont, wiewohl sie in großen Massen zugegen waren und unseren Protest offensichtlich ignoriert haben: die Flugreisenden.

Insbesondere die zahlenmäßig dominanten Flugtouristen aus der gesamten Republik bevorzugen wohl solche tropischen Strände, die nur von Frankfurt aus zu erreichen sind. Angereist mit Zubringerflügen, Auto oder ICE, beehren sie unsere Region nicht etwa wegen unserer Sehenswürdigkeiten, sondern nur, um uns Anwohnern unsäglichen Lärm und giftige Abgase zu bescheren. Eine andere Wahrnehmung gelingt uns Betroffenen kaum, denn am erholsamen Strandleben können wir nicht teilnehmen.

Deutschland hat in der EU das dichteste Netz an Flughäfen, davon etliche, die für interkontinentalen Fernflugtourismus geeignet sind. Warum partout Urlaubsziele, die nur von Frankfurt aus angeflogen werden?

Wir brauchen endlich eine gesellschaftliche Debatte! Konkret: wir müssen den Flugtouristen den immensen Schaden erläutern und vorhalten, den sie Hundertausenden unschuldiger Bürger im dicht besiedelten Ballungsraum zufügen. Sie müssen zur Kenntnis nehmen, dass sie den wohl ungeeignetsten Standort eines Großflughafens für ihre Konsumgewohnheiten missbrauchen.

Zudem belasten solche Konsumgewohnheiten alle Steuerzahler. Denn Flugverkehr ist steuerfrei. Je mehr Flugreisen nachgefragt werden, desto größer das Loch im Staatshaushalt, das dann die Konsumenten anderer Ware mit hoher Mehrwertsteuer stopfen müssen. Selbst für Kulturgüter wie etwa bildende Kunst sind jetzt 19% fällig. Wer viel fliegt, bereichert sich auf Kosten der Allgemeinheit.

All dies den anwesenden Flugtouristen vorzuhalten, habe ich mich allein nicht getraut, kam deshalb auch nicht mehr zur Demo.

Die 250ste Demo sollte Anlass sein, endlich all jene zur Rede zu stellen, die uns Lärm und Dreck zu ihrem Vorteil bescheren, die ganz entscheidend dazu beitragen, dass unsere Klimaschutzziele unerreichbar bleiben. Ob dies im Rahmen einer Demo am Flughafen gelingt, ist fraglich. Vielleicht können wir gemeinsam mit einer breit angelegten Medienkampagne die wahlberechtigten, ergo mündigen Bürger zu einem verantwortungsvollen Konsumverhalten bewegen? Der VCD Hessen würde mitmachen.

Euer Werner Geiß

 

 

zurück