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RMV-Preise 2017: Faires Tarifsystem statt Strafgebühren für Umsteiger

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD), Landesverband Hessen, kritisiert die Preiserhöhung im RMV zum Jahreswechsel, bewertet das Pilotmodell RMVsmart und zeigt Lösungsansätze für ein faireres Tarifsystem auf.

Ab 1.1.2017 werden in Frankfurt und Offenbach Einzelfahrten um 3,6 bzw. 4 Prozent teurer. Dies sei deutlich mehr, als sich mit Lohn- und Energiepreissteigerung begründen ließe. Der VCD hält deshalb ein Umdenken bei der Finanzierung des Öffentlichen Nahverkehrs und eine Tarifreform im RMV für überfällig. Wer angemessenere Fahrpreise wünsche, könne nicht an der alten Tarifzonenstruktur festhalten, sagt Mathias Biemann, Landesvorsitzender des VCD Hessen. Wie die langjährigen Fahrpreisvergleiche des VCD gezeigt hätten, entstünden dadurch ungerechte und unlogische Preissprünge, die den öffentlichen Verkehr zwischen zwei Tarifgebieten, unattraktiv machten, obwohl es gerade hier wichtig wäre, Pendlern eine niedrigschwellige Alternative zum Auto zu bieten. Besonders negativ bemerkbar machten sich die Preissprünge auf den Strecken zwischen Frankfurt und Offenbach sowie Frankfurt und Neu-Isenburg.

RMVsmart ist verbesserungswürdig

Das neue Tarifmodell RMVsmart, das hier für Abhilfe sorgen soll, sei noch stark verbesserungswürdig. „Ein Problem des neuen Tarifmodells sind die ‚Strafgebühren‘, sobald der Fahrgast das Verkehrsmittel wechselt“, erklärt Biemann. Beim Umstieg von der Bahn auf den Bus werde ihm eine Pauschale berechnet. „Der Sinn eines Verkehrsverbunds ist, dem Kunden eine komfortable und bezahlbare durchgängige Reisekette anzubieten. Wo immer möglich als Direktverbindung, denn niemand steigt gerne um. Denjenigen, die umsteigen müssen, eine ‚Strafgebühr‘ zu berechnen, ist unangebracht und widerspricht dem Grundgedanken eines Verkehrsverbunds.“

Kurzstreckenfahrt als „Luxusgut“

Abkassiert würden mit dem RMVsmart-Tarif auch Kurzstrecken-Fahrer. „In Frankfurt würde die Kurzstrecke schon durch den Grundpreis von 1,69 Euro und eine zusätzliche Pauschale von 67 Cent zum Luxusgut, bei dem die Leistung in keinem Verhältnis zum Preis stünde“, rechnet Biemann vor. Dabei seien gerade mobilitätseingeschränkte und ältere Menschen auf ein preisgünstiges Angebot auf der Kurzstrecke angewiesen, damit der Einkauf im Viertel erschwinglich bleibe und der regelmäßige Arztbesuch nicht zum Kostenproblem werde.

Das System der Pauschalen verursache auch dann Preissprünge, wenn ein Fahrgast vom ländlichen Raum in die Stadt fahre. Dabei sollten die Städte, Kommunen und Landkreise ein gemeinsames Interesse an einer Tarifreform haben, die die bisherigen Preissprünge zwischen der Stadt und dem direkten Umland schmelzen lässt.
Für die Planung eines neuen Tarifsystems rät der VCD dem RMV, sich mit den beiden anderen in Hessen aktiven Verkehrsverbünden auszutauschen. Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) im Süden Hessens biete beispielsweise ein transparentes entfernungsabhängiges Tarifsystem an, das auch Menschen ohne Smartphone verstanden und genutzt könne.

VCD warnt vor Experimenten bei Monatskarten und Jobtickets

Bei allen notwendigen Veränderungen für Einzelkarten warnt der VCD Hessen vor Experimenten bei Monatskarten und Jobtickets: „Zeitkartenkunden sind das Rückgrat der Finanzierung unseres Nahverkehrs. Die hochkochenden Emotionen schon beim RMVsmart-Pilotversuch sollten Warnung genug sein: Wer bei den Zeitkarten das Preis-Leistungs-Verhältnis antastet, spielt mit dem Feuer. Experimente an dieser Stelle hätten einen Vertrauensverlust zur Folge, von dem sich der RMV nicht mehr erholen würde“, mahnt Biemann.

„Der RMV kann kein Geld drucken“

Bei aller Diskussion über Tarifdetails dürfe nicht vergessen werden, was der grundlegende Fehler im System sei: „Die Gesellschafter des RMV – also Städte und Landkreise – müssen sich vom 56-Prozent-Dogma beim Deckungsbeitrag verabschieden und mehr Geld zur Verfügung stellen. Der RMV kann vieles, aber er kann kein Geld drucken. Mehr Spielraum für günstige Tarife und zusätzliche Verbindungen entsteht nicht von allein, sondern nur, wenn die Kommunen sich hier mehr engagieren.“ Gefordert sei auch die schwarz-grüne Landesregierung, die im Koalitionsvertrag eine Prüfung zugesagt hat, wie Investoren im Gebäudebau an den ÖPNV-Kosten beteiligt werden können (S. 83). Biemann: „Es ist nur fair, wenn die Profiteure eines attraktiven Bahn- und Busnetzes einen Beitrag leisten. Wir freuen uns, dass die Landesregierung das erkannt hat und erwarten, dass sie zügig Taten folgen lässt.“

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