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Über die Elite

Ich muss mich entschuldigen!

Bei all den Konsumenten, deren klimaschädliche Konsum- und Mobilitätsgewohnheiten ich dem unentrinnbaren Einfluss der heimtückischen Wirtschaft und deren Suggestivwerbung, verstärkt durch die „sozialen Medien“, zugeschoben hatte. Bei allen, denen ich damit die Mündigkeit, ja die Urteilsfähigkeit abgesprochen habe. Das gilt nun definitiv nicht mehr.

Mit der These von der selbst verschuldeten Unmündigkeit hatte Immanuel Kant doch recht. Denn nach „Fridays for Future“, bestätigt durch „Scientists for Future“, weiß nun jeder, aber auch jeder, welchen Schaden er mit seinem SUV, den Flugreisen und Schiffskreuzfahrten anrichtet. Galten solche Konsumgewohnheiten eben noch als (teuer erkaufte) Grundlage gesellschaftlicher Teilhabe und Anerkennung, erweist sich das nun als schiere Geldverschwendung. Klingt absurd, aber künftig wird man gerade durch teure Investitionen in den vermeintlich angesagten Statuskonsum „abgehängt“. Im benachbarten Europa, zumal in Skandinavien und der Schweiz, hat sich schon ein klimaschonender Wertewandel durchgesetzt. Der erreicht inzwischen auch die traditionellen deutschen Hochschulstandorte und infiziert von dort aus die Wohnquartiere.

Also, liebe Konsumenten, Obacht! Wenn Sie demnächst in den Biergarten streben, parken Sie Ihren SUV lieber unsichtbar um die Ecke, so Sie nicht sowieso Ihr neues Fahrrad nehmen. Verkneifen Sie sich lieber den Reisebericht von Ihrem Tauchkurs in Thailand oder dem Meditationsseminar in Indien, wenn am Biertisch über Romanrezensionen, Theaterpremieren und Biolandbau diskutiert wird. Gesellschaftliche Teilhabe definiert sich grad ganz neu, ganz anders, ganz ohne SUV und Flugtourismus.

Nach dem dritten Bier gelangen Sie zu der Erkenntnis, dass die verhasste „Elite“ sich nicht durch noch größere SUVs, noch mehr und weitere Flugreisen auszeichnet. Im Gegenteil, die „Elite“ ist erhaben über schnöden Konsum. Und wenn Sie über die neuen Werte – Kultur, Bildung, Forschung, Umwelt – mitreden können, dann gehören Sie auch dazu, zur Elite!

Ihr Werner Geiß

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