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Unwetter-Chaos am Frankfurter Flughafen: Probleme sind teilweise hausgemacht

„Die Flughafenbetreiberin Fraport will sich wegen einiger schlafloser Kunden über gesetzliche Regeln hinwegsetzen, hat aber kein Problem damit, den Schlaf hunderttausender Anwohner weiter zu beeinträchtigen. Die Versuche von Fraport, die sowieso schon beschnittene Nachtruhe der Bürger weiter einzuschränken, werden auch durch Wiederholung nicht origineller. Es war absolut richtig, dass Staatssekretär Mathias Samson diese Sommerloch-Diskussion schnell und unmissverständlich beendet hat“, kommentiert Werner Geiß, Vorstand des alternativen Verkehrclubs VCD Hessen.

Die Fraport-Argumentation eines Ausnahmefalls lenkt aus Sicht des VCD Hessen vom eigentlichen Problem ab. Denn durch den Klimawandel werden schwere sommerliche Unwetter von der Ausnahme immer mehr zur Regel. Der Flugverkehr selbst gehört zu denen, die den Klimawandel seit Jahrzehnten kräftig mit befeuern. „Es ist also nur die halbe Wahrheit, wenn Fraport und die Fluggesellschaften sich nun als Opfer höherer Gewalt sehen. Fraport, die Fluggesellschaften und alle Konsumenten, die ihren Lebensstil über häufige Flugreisen definieren, sind mitverantwortlich dafür, dass das Wetter mehr und mehr verrückt spielt“, kritisiert Geiß.

Die hohe Zahl der in der Gewitternacht gestrandeten Passagiere ist für den VCD auch aus einem zweiten Grund teilweise hausgemacht: „Das praktizierte Drehkreuz-Geschäftsmodell geht damit einher, möglichst viel zusätzlichen Umsteigeverkehr anzuziehen, obwohl das Rhein-Main-Gebiet schon jetzt unter der Lärmbelastung und Luftverschmutzung leidet. Der Flughafen dient immer weniger den Mobilitätsbedürfnissen der Menschen in der Region, aber immer mehr privatwirtschaftlicher Gewinnmaximierung.“ Dabei werde ein derart überdimensioniertes Umsteige-Drehkreuz gar nicht mehr gebraucht, weil kleinere und sparsamere Langstreckenjets der neusten Generation die Metropolen der Welt längst direkt miteinander verbinden können. „In allen Teilen der Welt zeichnet sich dieser Trend ab, nur in Frankfurt wird der Fortschritt verschlafen.“ Eine ernsthafte Debatte über die langfristige Zukunft des Flughafens jenseits des Wachstumswahns sei deshalb überfällig.
 

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