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VCD fordert Konsequenzen aus Pendler-Rekord in Frankfurt & Region

"Die Zahlen müssen ein Weckruf an Politik und Arbeitgeber sein", kommentiert der VCD-Landesvorsitzende Mathias Biemann den neuen Pendler-Rekord. Weil die meisten der 450.000 Ein- und Auspendler pro Tag mit dem Privatauto unterwegs seien, bedrohten sie nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern auch die der Anwohner. Der VCD fordert einen Kurswechsel mit sieben Maßnahmen.

„Frankfurt ist zusammen mit München die Pendlerhauptstadt Deutschlands“, stellt Mathias Biemann, Vorsitzender des alternativen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) Landesverband Hessen fest. „Die Zahlen müssen ein Weckruf an Politik und Arbeitgeber sein.“ Weil die meisten der 450.000 Ein- und Auspendler pro Tag mit dem Privatauto unterwegs seien, bedrohten sie nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern auch die all der Anwohner, deren Luft und Lebensqualität ruiniert werde. „So kann es nicht weitergehen, wir brauchen einen sofortigen Kurswechsel“, so Biemann. Im Einzelnen fordert der VCD folgende sieben Maßnahmen:

  • Der VCD rät dringend dazu, das von den Frankfurter Grünen vorgeschlagene 365-Euro-Ticket nach Wiener Vorbild einzuführen. „Nur wenn es für alle bezahlbare Alternativen zum Privatauto gibt, können wir die Blechlawinen stoppen. Wien zeigt: Das 365-Euro-Jahresticket ist der Schlüssel dafür.“ Das Ticket müsse auch Umlandbewohnern angeboten werden. „Nur, wenn sich auch die Einpendler umweltfreundlich fortbewegen, kann Frankfurt aufatmen“, so Biemann.
  • Die Finanzierung des Tickets kann laut VCD aus höheren Parkgebühren erfolgen. „Mit einem Anwohnerparkausweis okkupieren Autofahrer wertvollen öffentlichen Raum für gerade einmal 20 Cent pro Quadratmeter im Monat. Die immensen Kosten, die der Autoverkehr der Stadt Frankfurt beschert, werden dadurch nicht im Geringsten abgedeckt“, verweist Biemann auf eine Studie von Prof. Carsten Sommer von der Universität Kassel. „Im Sinne des Gemeinwohls sollten diese Subventionen zurückgeschraubt und die Parkraumbewirtschaftung ausgeweitet werden.“ Daneben sollten auch höhere Gebühren an Parkscheinautomaten zur Finanzierung des 365-Euro-Tickets herangezogen werden.
  • Für den Ausbau der Schienen-Infrastruktur, etwa Regionaltangente West und viergleisiger Ausbau Frankfurt-Friedberg, müssen aus Sicht des VCD mehr Finanzmittel bereitgestellt werden.
  • Die Verkehrsprobleme der Region lassen sich aus Sicht des VCD nicht allein kommunal lösen. Gerade Umland-Kommunen wie Neu-Isenburg, Bad Vilbel oder Eschborn seien hier in der Pflicht. „Frankfurts Nachbarn profitieren enorm von der Metropole. Es wird Zeit, dass sie Kirchturmdenken und Einzelinteressen zurückstellen und das Gemeinwohl in den Blick nehmen.“ Dies gelte für Straßenbahn-Erweiterungen genauso wie für Radschnellwege. „Damit nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht, muss der Regionalverband mehr Zuständigkeiten übertragen bekommen.“
  • Auch Arbeitgeber sind für den VCD mitverantwortlich für den Verkehrskollaps: „Viele Unternehmen stecken eine Menge Geld in kostenlose Mitarbeiterparkplätze, ohne es zu merken. Wir appellieren an die Arbeitgeber, diese unsinnigen Subventionen zu stoppen und die Mittel stattdessen in ÖPNV-Haltestellen, Jobticket oder Jobrad zu investieren. Das kann letztendlich sogar der Gesundheit der Belegschaft zugute kommen.“
  • Wohnungsunternehmen fordert der VCD auf, beim Bau neuer Wohnungen die Alternativen zum Privatauto von vornherein einzuplanen – über rechtliche Pflichten hinaus. „Bei großen Wohnanlagen sind geeignete Flächen für Carsharing und Lastenräder einzurichten. Auch stufenlos erreichbare Fahrradabstellplätze müssen endlich Standard werden“, sagt Biemann.
  • Ein Teil der täglichen Blechlawinen geht für den VCD auch auf fehlgeleitete Siedlungsentwicklung zurück. Große neue Baugebiete dürften nicht mehr wahllos auf der „grünen Wiese“, sondern nur noch in der Nähe bestehender oder geplanter S- oder U-Bahn-Stationen ausgewiesen werden, um das Pendeln und seine negativen Folgen in den Griff zu kriegen.

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