Hessen

Verkehrspolitischer Aschermittwoch

Verkehrswende! Welches Kabinett, Parlament, welche seriöse Partei und Behörde hat sie sich nicht auf die Fahnen geschrieben? Regelmäßig berichten Qualitätsmedien von genialen Ideen, Konzepten und Projekten. Werden also Massen von Elektroautos, Lastenfahrrädern auf Fernradwegen und Seilbahnen uns alsbald vor der Klimakatastrophe bewahren?

 

Eher nicht.

Denn neben der verantwortlichen Politik wird der Verkehr primär von anderen Akteuren gestaltet. Als da wären die…

Konsumenten, Wahlberechtigten, die mündigen (?) Bürger

Zur klimaschädlichen Autonutzung befragt, sind sie halt leider „aufs Auto angewiesen“, beanspruchen deshalb fast gänzlich den öffentlichen Raum, beklagen trotzdem den Mangel an Parkplätzen.  Wenn sie nicht im Stau stehen, reizen sie begeistert die Freiheit (!) vom Tempolimit aus. Ihr durchschnittlicher Neuwagen hat über 150 PS und kostet rund 35.000 Euro. Er ist also kein Verkehrsmittel. Sondern Statussymbol. Gleiches gilt auch für die angesagten Fernflugreisen und Schiffskreuzfahrten.  Die Nachbarn haben auch einen SUV, waren schon zweimal in Australien. Angesagter, immer teurerer Konsum ist offensichtlich die Grundlage gesellschaftlicher Teilhabe schlechthin (weshalb immer mehr Leute nicht teilhaben können).

Apropos „angesagt“. Die doch nicht so mündigen Bürger sind unschuldig. Denn angesagt werden diese Konsum- und Mobilitätsgewohnheiten von der…

Wirtschaft

Hartnäckig hält sich die Mär, dass jeder siebte Arbeitsplatz vom Auto abhänge. Die vierte Bahn am Frankfurter Flughafen sollte angeblich 100.000 neue Jobs erzeugen. Hochgerechnet auf die bundesdeutsche Luftfahrtinfrastruktur wäre das die Hälfte aller Jobs überhaupt. Ohne motorisierte Mobilität stirbt folglich die Wirtschaft, damit unser aller Wohlstand. Kein Wunder, dass  selbst in anspruchsvollen Medien (Spiegel, Zeit…) doppelseitige Hochglanzreklamen „Premium“-Autos anpreisen oder 12-seitige Beilagen die prächtigsten Schiffskreuzfahrten. Die „sozialen“ Medien und der neidische Blick auf Nachbars neues Auto tun ein Übriges.

Die verantwortliche Verkehrspolitik ist also hilflos den Wählerstimmen der fremdbestimmten Konsumenten und dem Wachstums- und Wohlstandsversprechen der Wirtschaft ausgeliefert? Statt im Sinne wissenschaftlicher Erkenntnisse durch Realisierung von Kostenwahrheit wirklich nachhaltigen, langfristigen Wohlstand zu gewährleisten? Aber leider werden unsere Volksvertreter im Regen stehen gelassen von der…

Wissenschaft

Statt in Literatur und Qualitätspresse zweifellos kluge Erkenntnisse einer aufgeklärten, gebildeten Elite zu vermitteln, baucht es eine klare Ansage – auch in den „sozialen“ Medien - an die breite Öffentlichkeit: dass angepasste Konsum- und Mobilitätsgewohnheiten zwar profitabel für die „Wirtschaft“ sind, aber generell die Volkswirtschaft ruinieren; dass Kostenwahrheit – teurerer Sprit, teureres Kerosin – uns hingegen langfristig wohlhabender macht; dass ein individueller, kultivierter Lebensstil glückseliger und zufriedener macht als „angesagter“ Konsum; dass die Devise „macht doch jeder so“ gar nichts rechtfertigt.

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