Hessen
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Bahn & Bus, Kolumne
Landesverband Hessen

VCD-Hessen-Bahntest 2018: Abenteuer Schiene

Konkret konnten im abgelaufenen Jahr 210.000 Test-Kilometer auf deutschen Gleisen zurückgelegt werden. Trotz aller Kritik: die Bahn fährt also durchaus, wenn auch nicht immer ans gewünschte Ziel, und selten planmäßig. Ob 210.000 Km als statistische Grundlage hinreichen, sei dahingestellt. Egal: dieses Jahr waren es 113 Stunden Verspätung (2017: 70 Stunden auf 200.000 Km), verursacht unter anderem durch 68 Triebfahrzeug-, 33 Signal-, 10 Weichen-, 10 Stellwerks-, 7 Bahnübergangs- und 5 Oberleitungsstörungen.

Lobenswert der Stimmungswandel: Reagierten die genervten Bahnbediensteten anfangs noch ebenso hilflos wie grantig auf die Beschwerden der Fahrgäste, herrscht nun ein fröhlicher Fatalismus beim Personal, der wohltuend die Kundschaft besänftigt. Gemeinsam wird über ein unfähiges Bahnmanagement gelästert, das Kunden und Personal gleichermaßen im Ungewissen lässt. Inzwischen begreift auch die Kundschaft Bahnreisen als Abenteuer, geradezu als persönliche Leistung, auf Umwegen und mit mehrfachem ungeplantem Umsteigen spät abends das Ziel noch zu erreichen. Sich widersprechende Prognosen auf diversen elektronischen Informationssystemen, Anzeigetafeln und maschinellen Ansagen steigern das Erfolgserlebnis. 

Zurück zur Bürokratie: Um den Betriebsablauf etwas zu entstören, scheint doch eine sorgfältigere Wartung von Lokomotiven und Triebwagen empfehlenswert. Beispielsweise erspart dies die Evakuierung aus einem kaputten ICE, was mitunter vier Stunden dauert und die Abenteuerlust der Fahrgäste deutlich mindert. Auch 33 vom VCD-Testreisenden wahrgenommene Signalstörungen (tatsächlich waren es wohl viel mehr) erheischen entsprechenden Handlungsbedarf. Jedoch hat sich eine gewisse Routine entwickelt, indem die Lokführer nun schon nach recht kurzer Haltezeit „auf Sicht“ gemächlich weiter rollen (40 Km/h), um den Reisenden das beruhigende Gefühl zu vermitteln, dass es immerhin weiter geht. 

Bei allen durchaus positiven Aspekten einer so ausgesprochenen Abenteuerbahn fragt sich, ob dieses Verkehrsmittel wirklich im Rahmen der Verkehrswende die Hauptlast bundesdeutscher Mobilität von Auto, LKW und Flugzeug zu übernehmen vermag.

Eine stets gute Fahrt wünscht Euch
Werner Geiß

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