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Gießen

Rabenau und Grünberg sind bei Verkehrsberuhigung Schlusslicht – Heuchelheim und Lich vorbildlich

Der Kreisverband Gießen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) hat in einer umfassenden Analyse das 1.250 Kilometer lange innerörtliche Straßennetz untersucht. Schlusslichter im Gießener Land sind Rabenau, Grünberg und Staufenberg, wo in weniger als 50% aller Nebenstraßen bisher Tempo-30-Zonen ausgewiesen sind.

Seit vielen Jahren sieht die Straßenverkehrsordnung vor, dass abseits von Vorfahrtstraßen Tempo-30-Zonen ausgewiesen werden sollen. Ziel der Vorgabe des Bundesverkehrsministeriums ist es, die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu erhöhen. Tempo 30 verhindert Unfälle, denn nach nur 13,3 Metern steht ein Auto, das mit 30 km/h unterwegs ist.  Ein Auto, das mit Tempo 50 unterwegs ist, hat nach 13 Metern noch nicht einmal abgebremst. Der Aufprall erfolgt bei voller Geschwindigkeit. Hintergrund ist, dass sich der Anhalteweg aus Reaktionsweg und Bremsweg zusammensetzt.

Ebenso sollen durch Tempo 30 die Bewohner der Städte und Dörfer vor Lärm und Abgasen geschützt werden und Schleichverkehr unattraktiv gemacht werden.

Der Kreisverband Gießen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) hat in einer umfassenden Analyse das 1.250 Kilometer lange innerörtliche Straßennetz untersucht. Nur 190 Kilometer davon sind innerörtliche Hauptstraßen. Mit 1060 Kilometern bilden dagegen Nebenstraßen den größten Teil des Netzes. Die VCD-Untersuchung zeigt, dass Heuchelheim und Lich bei der Verkehrsberuhigung vorbildlich sind: In mehr als 90 % aller Nebenstraßen gilt dort Tempo 30 oder weniger. Einzig in Gewerbegebieten darf 50km/h gefahren werden. Schlusslichter im Gießener Land sind Rabenau, Grünberg und Staufenberg, wo in weniger als 50% aller Nebenstraßen bisher Tempo-30-Zonen ausgewiesen sind. In Staufenberg wurde das Problem bereits erkannt: Bürgermeister Peter Gefeller hat angekündigt, in allen Nebenstraßen Tempo 30 auszuweisen. Der VCD wünscht sich derartige Initiativen aber auch von anderen Kommunen, wie Rabenau, Grünberg und Hungen. Kaum eine Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit sei so einfach und kostengünstig umzusetzen wie die Ausweisung von Tempo 30 in Nebenstraßen. Der Verkehrsclub verweist dabei auf die Gemeinde Buseck, wo Bürgermeister Haas im Juli 2017 auf 10 Kilometern Straßenlänge Tempo 30 ausgewiesen hat. Die Zone im Süden Großen-Busecks ließ sich dabei kostengünstig mit nur sechs neuen Schildern und einigen Markierungen realisieren. Gerade Anlieger loben die Verkehrsberuhigung, weil nicht nur die Wege zur Gesamtschule deutlich sicherer geworden sind, sondern auch der Autolärm zurückging.

Im Gegensatz zu Hauptstraßen, können Tempo-30-Zonen in Nebenstraßen ohne größere Hürden eingeführt werden. Es bedarf dafür nur eines Beschlusses der Kommune, der auch auf Antrag der Stadtverordneten oder eines Ortsbeirats herbeigeführt werden kann. Auch Anwohner können Tempo-30-Zonen bei der kommunalen Straßenverkehrsbehörde bzw. dem Bürgermeister anregen. Die Polizei ist zwar anzuhören, wird aber im Regelfall das mehr an Sicherheit begrüßen, sofern keine Vorfahrtstraßen betroffen sind.

Vordinglich sei Tempo 30 aus Sicht des VCD nicht nur dort, wo es in engen Gassen keine oder zu schmale Gehwege gebe. Kommunen sollten in allen Wohngebieten flächendeckend Tempo-30-Zonen ausweisen. Wenn wie in Lich oder Heuchelheim klar ist, dass abseits von Vorfahrtstraßen Tempo 30 gilt, sei die Akzeptanz der Regelung deutlich besser als wenn Tempo-30-Zonen nur wenige Straßen umfassten.

Der VCD sieht daher auch das uneinheitliche Vorgehen in Biebertal oder Allendorf (Lumda) kritisch, wo zwar fast flächendeckend Tempo 30 gilt, aber in einzelnen Ortsteilen wie Königsberg oder Nordeck bisher keine Tempo-30-Zonen ausgewiesen wurden. „Hier würden wir uns auch die Initiative der Ortsbeiräte wünschen, da diese die Verkehrssituation vor Ort am besten einschätzen können“, so Patrik Jacob vom VCD Kreisverband Gießen. Der VCD verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass alle etablierten Parteien und auch der ADAC sich für Tempo 30 in Wohnstraßen aussprechen. Einzig bei der Frage nach Tempo 30 auf Hauptstraßen gebe es unterschiedliche politische Positionen bei Verbänden und Parteien.

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