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Als im Januar die Stadtwerke mit den Bauarbeiten an der Marburger Straße zur Verlegung von Fernwärmeleitungen begannen, ho?te der VCD Gießen, dass die hierfür notwendige vorübergehende Entfernung des Mittelstreifens auf Höhe der Einmündung Steinstraße dazu genutzt würde, hier eine sichere Querungsmöglichkeit für den Fuß- und Radverkehr zu scha?en. Im Juli wurden die Arbeiten abgeschlossen – eine Querungsmöglichkeit durch den Mittelstreifen fehlt jedoch weiterhin.
Der VCD hat hierfür kein Verständnis: „Der Mittelstreifen der Marburger Straße bietet mit teilweise mehr als 3 m Breite genügend Platz, um sichere Durchlässe für den Fuß- und Radverkehr zu schaffen: Radfahrende aus der Steinstraße könnten so sicherer nach links in die Marburger Straße einbiegen. Auch zu Fuß wäre eine Querung erleichtert, denn die benachbarten Ampeln lassen regelmäßig Lücken im Kfz-Verkehr entstehen.“
„Das Versäumnis der Stadt, die Bauarbeiten für mögliche Erleichterungen des Fuß- und Radverkehrs zu nutzen, ist an dieser Stelle besonders unverständlich, weil die Stadt Gießen die Bedeutung der Steinstraße als Radverkehrsachse selbst betont“ habe, so VCD-Vorstand Dietmar Jürgens.
So habe die Stadt noch im März 2025 erklärt, die Steinstraße habe eine so hohe Bedeutung im Radnetz, dass geprüft werde, sie als Fahrradstraße auszuweisen. Inzwischen allerdings habe der Bürgermeister mitgeteilt, dass der Erhalt von Parkplätzen in der Steinstraße für die Stadt wichtiger sei als die Schaffung einer Fahrradstraße. Gleichzeitig bleibe aber „die bessere Einbindung der Steinstraße in die Marburger Straße für den Radverkehr ein wichtiges Planungsziel“, so Wright in einer schriftlichen Antwort an den VCD. Umso weniger nachvollziehbar ist es aus Sicht des Verbandes, dass die Bauarbeiten nicht genutzt wurden, um diese Einbindung schnell und mit wenig Aufwand konkret zu verbessern.
Nachvollziehbare zwingende Gründe kann der VCD auch der vor wenigen Tagen nach mehrfacher Nachfrage endlich eingegangen Antwort des Bürgermeisters nicht entnehmen. Wright verweise darauf, dass „die vorhandenen Flächen, die Sichtverhältnisse und mögliche Auswirkungen auf die Signalisierung noch geprüft“ werden müssten. Hierfür sieht der VCD keinen Grund: „Der Mittelstreifen bietet ausreichend Platz, ausreichende Sicht ist für alle Verkehrsteilnehmenden gegeben und eine Anpassung der Signalisierung ist nach unserer Einschätzung nicht erforderlich. Wir halten diese Einwände für vorgeschoben, um Versäumnisse nicht zugeben zu müssen.“
Gerade bei knappen Kassen ist gute Planung entscheidend
Gießen steht finanziell unter erheblichem Druck. Gerade deshalb muss die Stadt nach Ansicht des VCD ohnehin anstehende Baumaßnahmen unbedingt dazu nutzen, alle relevanten Belange, auch die des Fuß- und Radverkehrs, ein?ießen zu lassen, um kostspielige Nachbesserungen zu vermeiden.
Dem sollte auch die früher selbstverständliche Beteiligung der Fachverbände dienen, deren Expertise nach Wahrnehmung des VCD jedoch immer weniger wertgeschätzt und berücksichtigt werde.
Das habe Folgen: „Immer wieder werden Straßen umgebaut, ohne z. B. die Belange des Fußverkehrs ausreichend zu berücksichtigen. So fehlen dann auch nach aufwändigen Umbauten Querungsmöglichkeiten, wie jüngst beim Umbau des Alten Steinbacher Wegs, oder barrierefreie Querungen werden fehlerhaft gebaut und müssen aufwendig nachgebessert werden, wie zuletzt im Klingelbachweg, in der Adolf-Kolping-Straße und Wolfstraße, oder notwendige Markierungen fehlen, wie zuletzt am Ludwigsplatz.“
Fernwärmeausbau als Chance für vorausschauende Planung
Mit dem anstehenden großflächigen Fernwärmeausbau wird es in Gießen weitere umfangreiche Eingriffe in den Straßenraum geben. Der VCD fordert die Stadt deshalb auf, die Belange des Fuß- und Radverkehrs von Beginn an in die Planung einzubeziehen und die Bauarbeiten auch für Verbesserungen der Straßenraumgestaltung zu nutzen.
„Eine sichere Infrastruktur für Fuß- und Radverkehr ist kein Nice-to-have, sondern ein Grundelement einer lebenswerten Stadt“, so VCD-Vorstand Dietmar Jürgens. „Gerade weil die finanziellen Spielräume begrenzt sind, müssen Baumaßnahmen sorgfältig vorbereitet werden. Die verpasste Chance an der Steinstraße / MarburgerStraße zeigt, was passiert, wenn diese Abstimmung nicht rechtzeitig stattfindet. Leider ist dies nur ein Beispiel von vielen.“