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Gießen

VCD: Kampagne der Mineralöl- und Kfz-Lobby führt in die Sackgasse

Der VCD-Kreisverband Gießen äußert sich mit deutlicher Kritik zum „ersten Unternehmertag“ der Fa. Roth- Energie und Partnern aus dem örtlichen Kfz-Handel, in dem der synthetische Kraftstoff HV100 als „nachhaltig“ und klimafreundlich dargestellt wurde. Aus VCD-Sicht eine „Wohlfühlveranstaltung für Freunde des Verbrennermotors“ ohne jede kritische Prüfung.

Roth-Marketingleiter Backhaus gestehe zwar ein, dass der Verkehr „eines der größten ungelösten Probleme beim Klimawandel“ sei. Er und seine Mitstreiter aus dem Kfz-Handel zögen hieraus allerdings die falschen Schlüsse, denn lebensverlängernde Maßnahmen für Verbrennungsmotoren behinderten nur den letztlich nicht aufzuhaltenden Umstieg auf die E-Mobilität. „In der Produktion hinkt Deutschland hoffnungslos hinterher, bei der Umstellung des Kfz-Bestandes liegt man weit hinter den fortschrittlicheren europäischen Ländern“, so VCD-Vorstand Dietmar Jürgens, wobei Backhaus wohl wiederum bewusst die klar positive Tendenz bei den Neuzulassungen im E-Segment verschweige. Zwar funktioniert der angepriesene synthetische Kraftstoff HV100 laut ADAC im Kfz ohne Abstriche, doch klimaneutral und im Vergleich zum E-Auto „nachhaltig“ wäre er nur, so der VCD weiter, wenn er zu 100% und nicht etwa als Beimischung zum konventionellen Diesel eingesetzt, vollständig aus Abfallstoffen synthetisiert und nicht anderen Nutzungen entzogen würde, wo er dann fehlen würde. Diese Voraussetzungen würden jedoch weder einzeln noch kumulativ erfüllt. So wäre es im Hinblick auf das Klima wie auch auf eine wirtschaftliche Kaufentscheidung vollkommen verfehlt, sich heute noch Neuwagen mit Verbrennungsmotor anzuschaffen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) belege, dass HVO100 klimaschädlicher ist als „fossiler“ Diesel. In ihrem Auftrag hat das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) untersucht, ob die angebliche CO2-Einsparung von fast 90 % tatsächlich erzielt wird, wenn man die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet. „Besonders relevant sind dabei Klimaschäden durch Palmölproduktion. Wird Altspeiseöl wegen einer erhöhten Nachfrage in Europa beispielsweise aus Indonesien und Malaysia importiert, fehlt es dort und führt ersatzweise zu einer erhöhten Palmölnachfrage in den Exportländern. Die Folge sind massive Klima- und Umweltschäden durch Landnutzungsänderungen und Regenwaldrodungen“ so die DUH.

Auf die DUH-Info stößt nach VCD-Recherche indes nur, wer sich gezielt auf deren Webseite begibt. Wer im Internet nach neutralen Informationen zu HVO100 sucht, werde stattdessen auf Seiten der Kfz- und Mineralöl-Lobby geführt, vor allem zur bundesweiten Kampagne "HVO100 goes Germany" von Mobil in Deutschland e.V., der auch Roth-Energie angehört. Dieser Lobbygruppe, die eigenwirtschaftliche Interessen vertritt, wurde dennoch die Gemeinnützigkeit attestiert und ihr so auch noch Steuervorteile „zu unser aller Lasten verschafft“.

Da der Klimawandel weiter „Fahrt aufnimmt“ (schon ist vereinzelt von einem Temperaturanstieg um 3°C bis 2050 zu lesen), sei es - so VCD-Vorstand Jürgens - „unverantwortlich, den Umstieg auf die E-Mobilität weiter hinauszuzögern und stattdessen Autokäuferinnen und -käufern zu langfristig unwirtschaftlichen und zugleich klimaschädlichen Kaufentscheidungen zu verleiten.“ Das könne nicht einmal im Interesse des Kfz-Handels liegen, der für sich und seine Kunden einen klaren Kurs statt immer neuer „Nebelkerzen“ der deutschen Kfz- Hersteller und der Mineralölwirtschaft benötige.

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