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VCD:  Zebrastreifen braucht die Stadt

„Eine Binsenweisheit: Zu Fuß zu gehen ist die natürlichste Art der Fortbewegung, die gesund ist und – vom Schuhwerk abgesehen – praktisch keine Ressourcen verbraucht. Gerade in Städten rückt dies erfreulicherweise, aber – wegen des immer mehr Raum und Ressourcen verschlingenden Autoverkehrs – auch zwangsläufig, nun stärker in das Bewusstsein der politisch Verantwortlichen“. So leitet der Kreisverband Gießen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) seine aktuelle Pressemitteilung zum Thema „Zebrastreifen“ ein.

Der konkrete Anlass: Bis Ende 2023 wollte die Stadt Gießen im Uni-Viertel an der Ecke Gnauthstraße/Stephanstraße einen neuen Zebrastreifen einrichten. Das ist hier wegen des starken Autoverkehrs dringend notwendig. Doch umgesetzt wurde es bisher nicht. Der VCD nahm dies jetzt zum Anlass für eine  Analyse der Ausstattungsdichte mit Zebrastreifen in den 16 größten hessischen Städten. Dabei lande Gießen auf einem „peinlichen drittletzten Platz“. Nur in Dreieich und Fulda existieren noch weniger dieser Fußgängerüberwege pro Einwohner. Spitzenreiter ist Hanau, wo es pro Einwohner fünf Mal so viele Zebrastreifen gibt wie in Gießen. Zebrastreifen – amtlich: Fußgängerüberwege (FGÜ) - ermöglichen das sichere Queren von Straßen. Im Unterschied zu Ampeln ist die Querung auf Zebrastreifen  ohne lange Wartezeit möglich – dies auch für haltende Fahrzeuge, die unmittelbar nach Beendigung der Querung ihrerseits weiterfahren können. „Entsprechend“, so der VCD, „sind Zebrastreifen neben ausreichend breiten Gehwegen eines der wichtigsten, mit geringem Aufwand und kaum Einschränkungen für andere Verkehrsteilnehmende verbundenen Elemente, um die Mobilität zu Fuß zu fördern.“ Auch die Stadt Gießen wisse, was zu tun wäre. In der Bestandsaufnahme des Verkehrsentwicklungsplans (VEP) heißt es: „Der Fußverkehr rückt stärker in das Bewusstsein der Verkehrs? und Mobilitätsplanung und wird durch sichere, direkte und attraktive Fußwege (und)  fußgängerfreundliche Querungsmöglichkeiten ... gefördert.“ Von diesem Ziel ist die Stadt Gießen aber noch weit entfernt. Gerade einmal 64 Zebrastreifen hat der VCD in Gießen mit allen seinen Stadtteilen gezählt, davon nur 45 auf städtischem Grund. 19 befinden sich auf Privatflächen, wie Einkaufsmärkten oder Industrieunternehmen. Zum Vergleich hat der VCD die Anzahl an Zebrastreifen in den 16 größten hessischen Städten herangezogen. Hanau, Rüsselsheim und Bensheim landen dabei auf den ersten Plätzen, Fulda, Dreieich und Gießen bilden das Schlusslicht. Auch die VEP-Gutachter bemängeln: „Die Anzahl an Fußgängerüberwegen ist in Gießen noch stark ausbaufähig.“
Doch leider gibt es in Gießen bisher keinen Plan für ein attraktives Fußverkehrsnetz mit Haupt- und Nebenrouten, so der VCD und „auch dem VEP-Entwurf fehlt es an Konsequenz: Darin gibt es nur Karten mit Handlungsbedarfen für wenige Quartiere, nicht aber für ein flächendeckendes Netz.“ „Immerhin“, so der VCD weiter, „hat die Stadt Gießen für alle Grundschulen Schulwegepläne mit sicheren Fußwegen zu den Grundschulen in Form von Karten erstellt“. Die auf der Homepage der Stadt  eingestellten Pläne zeigen aber nach Ansicht des VCD noch Handlungsbedarf, denn wenn es mehr Zebrastreifen gäbe, könnten „die Kinder teils auf viel direkterem Weg sicher zur Schule kommen und würden nicht dazu verleitet, unsichere Abkürzungen zu nutzen“. 
Zebrastreifen würden darüber hinaus auch den Weg zur Bus- oder Bahnhaltestelle sicherer und komfortabler machen. Auch hier fehle es aber „an einer systematischen Analyse der Ist-Situation und einem Maßnahmenplan. Vorschläge aus der Bevölkerung für neue Zebrastreifen gebe es hingegen reichlich: Allein bei der Bürgerbeteiligung zum Verkehrsentwicklungsplan wurden für 32 Stellen neue Zebrastreifen vorgeschlagen. Auch der Fahrgastbeirat hatte vor einem Jahr einen Zebrastreifen über die Hardtallee angeregt. „Leider gibt es hierzu bisher nicht einmal ein Prüfergebnis“, so der VCD. Erfolgreicher schien da der über Nacht von Privatpersonen aufgemalte Zebrastreifen über die Gnauthstraße: Nach dieser illegalen Aktion hat die Stadt dort zeitnah die Passanten gezählt und entschieden, dass noch 2023 ein dauerhafter Zebrastreifen entstehen soll. Doch wegen einer skeptischen Stellungnahme der Polizei liegt auch dieses Projekt nach Zeitungsmeldungen derzeit auf Eis. 
„Das grundsätzliche  politische Bekenntnis zur  Förderung des Fußverkehrs“ genüge nicht, so der VCD. „Wir brauchen in Gießens Straßenverkehrsbehörde eine bessere Personalausstattung und auch eine größere Bereitschaft, vorrangig auf Zebrastreifen statt auf Ampeln zu setzen, denn dass es in der Stadt Hanau fünf Mal so viele Zebrastreifen gibt, dürfte mit der Ausstattung und der Haltung in der dortigen Verwaltung zu tun haben.  Und wenn die Stadt den Bedarf für neue Zebrastreifen gut begründe, werde sicherlich auch die Polizei diese befürworten.“ Doch auch Positives vermeldet der VCD gerne:  „In letzter Zeit sind drei Zebrastreifen am Kreisverkehr im US-Depot und ein Zebrastreifen an der Lincolnstraße entstanden.“ 

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