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Bahn & Bus
Der VCD Hessen fordert eine deutliche Angebotsverbesserung auf der Main-Weser-Bahn: Auch wenn die Direktverbindung nach Sylt nun zurückkehrt, fehlt weiterhin ein schneller, stündlicher Regionalexpress und ein verlässlicher Zweistundentakt im Fernverkehr.
Ab dem 11. Juli 2026 wird es wieder möglich sein, einmal täglich von Frankfurt, Friedberg, Gießen, Marburg, Treysa, Wabern und Kassel ohne Umstieg mit der Bahn bis nach Sylt zu reisen. Damit kehrt eine Direktverbindung zurück, die es bereits bis Dezember 2025 gab. Dennoch bleibt das Fernverkehrsangebot auf der Main-Weser-Bahn lückenhaft und unattraktiv.
Mit der zusätzlichen Verbindung erhöht sich die Zahl der täglichen ICE-Verbindungen auf der Main-Weser-Bahn von vier auf fünf pro Richtung. Das Angebot bleibt deutlich hinter dem früheren Niveau zurück: Bis Dezember 2025 verkehrten sieben Fernverkehrszüge je Richtung, wodurch ein verlässlicher Zweistundentakt gewährleistet war.
„Fünf statt sieben Verbindungen sind kein Fortschritt. Am bestehenden Vierstundentakt ändert sich durch die zusätzliche Verbindung nichts. Es bleibt bei einer punktuellen Verdichtung“, führt Till Schäfer vom Landesvorstand des ökologischen Verkehrsclub VCD in Hessen aus.
„Die Abkopplung der Universitätsstädte Gießen und Marburg sowie Nordhessens vom Fernverkehr ist nicht hinnehmbar. Die Rückkehr der Sylt-Verbindung darf daher nicht als großer Fortschritt verkauft werden“, betont Philipp Loth, ebenfalls Mitglied im VCD-Landesvorstand Hessen. Zudem sei die Wiedereinführung dieser Verbindung bereits seit Herbst 2025 bekannt und keine Reaktion auf die anhaltende Kritik an den Angebotskürzungen.
Ein weiteres Problem liegt in der Fahrplanstruktur: Die neue ICE-Verbindung wird nicht in den bestehenden Takt integriert, sondern verkehrt in einer eigenständigen Lage. „Was wir brauchen, ist ein klarer und verlässlicher Zweistundentakt als Mindeststandard im Fernverkehr auf der Main-Weser-Bahn“, betont Schäfer.
Auch im Nahverkehr besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf. Zwischen Frankfurt und Kassel fehlt es an einem schnellen, stündlichen Regionalexpress-Angebot. Der RE98 verkehrt lediglich zweistündlich und ist im nördlichen Abschnitt deutlich langsamer als der RE30. Für Fahrgäste ergeben sich daraus spürbare Nachteile.
„Durch die rund 20 Minuten spätere Ankunft des RE98 werden wichtige Anschlüsse in Kassel-Wilhelmshöhe verpasst. Auch mehr ICE-Verbindungen würden dieses Problem nicht lösen, da sie andere Zielgruppen bedienen“, erklärt Loth.