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Gießen
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisverband Gießen, kritisiert die erheblichen Einschränkungen im Regionalverkehr auf der Main-Weser-Bahn zwischen Gießen und Friedberg. Vom 10. Juli bis zum 12. Dezember 2026 verkehrt die Regionalbahn RB 37 außerhalb der Hauptverkehrszeit nur noch im Zwei-Stunden-Takt. Für zahlreiche Fahrgäste bedeutet dies längere Reisezeiten und schlechtere Anschlüsse.
Während der Haltepunkt Ostheim durch zusätzliche Halte der RB 40 weiterhin an den Schienenverkehr angebunden bleibt, werden Linden, Lang-Göns und Kirch- Göns zeitweise lediglich durch Schienenersatzverkehr mit Bussen bedient. Die Busse benötigen deutlich länger als die Bahn, lassen keine Fahrradmitnahme zu und verschlechtern die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs erheblich.
Grund für die Einschränkungen sind zusätzliche Güterzüge, die wegen der Generalsanierung der rechten Rheinstrecke über die Main-Weser-Bahn umgeleitet werden. Die Umleitungen erfolgen weiträumig über Kassel und Gießen sowie Trier und belasten den ohnehin hoch belasteten Streckenabschnitt zwischen Gießen und Friedberg zusätzlich.
Für den VCD ist dies ein klarer Beweis dafür, dass die Strecke ihre Kapazitätsgrenze längst erreicht hat. „Die Fahrplanausdünnung ist kein „Betriebsunfall“ sondern Folge einer seit Jahren unzureichenden Infrastruktur: Kommt jetzt zusätzlicher Güterverkehr auf die Strecke, wird der Personennahverkehr geopfert. Das ist ein Desaster „mit Ansage“ und darf kein Dauerzustand werden“, erklärt VCD-Vorstand Dietmar Jürgens.
Der Verkehrsclub fordert deshalb erneut den drei- bis viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn zwischen Gießen und Friedberg. Nur so könne dauerhaft ausreichend Kapazität für den insgesamt wachsenden Personen- und Güterverkehr geschaffen werden.
„Wenn der Ausbau weiter aufgeschoben wird, werden wir solche Einschränkungen ku?nftig immer wieder erleben. Mehr Gu?terverkehr auf der Schiene ist politisch gewollt und klimapolitisch sinnvoll. Dafu?r braucht es aber auch die notwendige Infrastruktur.“
Der VCD verweist darauf, dass der Engpass zwischen Gießen und Friedberg im Schienennetz offensichtlich ist. Südlich von Friedberg stehen heute insgesamt vier Gleise zur Verfügung: zwei Gleise in Richtung Frankfurt sowie zwei in Richtung Hanau. Nördlich von Gießen sind es jeweils zwei Gleise nach Kassel und nach Siegen. Dazwischen aber muss sich der gesamte Personen- und Güterverkehr zwei Gleise teilen. Mit dem Bau zusätzlicher S-Bahn-Gleise von Bad Vilbel bis Friedberg wird sich die Situation in wenigen Jahren noch verschärfen.
Auch der geplante Bahntunnel in Kleinlinden sowie zusätzliche Überholgleise werden dieses Problem nach Einschätzung des VCD nicht lösen. Im Gegenteil: Durch zusätzliche Gu?terzu?ge vom Ruhrgebiet u?ber Siegen in Richtung Friedberg werde die Belastung des Abschnitts zwischen Gießen und Friedberg ku?nftig noch steigen. Die Bahn baut dazu die Strecke Hagen-Siegen-Wetzlar seit Jahren aus u. a. mit neuen Tunneln, damit auch Containerzu?ge die Strecke befahren können.
Der VCD appelliert deshalb an die heimischen Bundestags- und Landtagsabgeordneten sowie an die Verantwortlichen in der Region, den seit vielen Jahren im Regionalplan vorgesehenen (!) Ausbau der Main-Weser-Bahn anzugehen.
„Die aktuellen Einschränkungen müssen ein Weckruf sein. Zwischen Gießen und Friedberg liegt der größte Engpass im mittelhessischen Schienennetz. Wer künftig mehr Menschen und mehr Güter auf die Schiene bringen will, muss diesen Flaschenhals beseitigen. Gleichzeitig müssen alle Flächen, die für einen drei- oder viergleisigen Ausbau benötigt werden, konsequent freigehalten werden. Andernfalls verbauen wir uns zwingend notwendige Entwicklungschancen im Verkehrssektor“, so der VCD in seinem Appell an die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker.
Hintergrund: Die Einschränkungen gelten vom 10. Juli bis zum 12. Dezember 2026. Ursache ist die Sperrung der rechten Rheinstrecke im Zuge ihrer Generalsanierung. Zahlreiche Güterzüge werden deshalb über die Main-Weser- Bahn umgeleitet. Aufgrund begrenzter Streckenkapazitäten zwischen Gießen und Friedberg müssen einzelne Regionalbahnleistungen entfallen und werden teilweise durch Busse ersetzt. Mit der Generalsanierung der Strecken Hanau – Fulda (2027/2028), Koblenz – Mainz (2028) und Bebra – Fulda (2032) stehen weitere Umleitungsverkehre auf der Main-Weser-Bahn an, welche den Nahverkehr einschränken werden.