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Drei Wochen massive Einschränkungen zwischen Frankfurt, Marburg und Kassel – Fahrgäste litten unter Verspätungen, Ausfällen und chaotischen Zuständen
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Hessen zieht nach den umfangreichen Bauarbeiten auf der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt und Kassel eine kritische Bilanz. Seit dem 7. März kam es auf mehreren Streckenabschnitten zu erheblichen Einschränkungen. Nun, am letzten Tag der Arbeiten, lässt sich feststellen: Die Bauphase ist Ausdruck eines mangelhaften Baustellenmanagements des Infrastrukturbetreibers DB InfraGO, das den Schienenverkehr über Tage massiv aus dem Takt brachte und Fahrgäste verzweifeln ließ.
„Bauarbeiten im Schienennetz sind notwendig. Was Fahrgäste auf der Main-Weser-Bahn in den vergangenen Wochen erleben mussten, war jedoch in dieser Form nicht akzeptabel“, erklären Till Schäfer und Philipp Loth vom frisch gewählten VCD Landesvorstand Hessen. „Die Auswirkungen der Baustelle zeigen, dass Bauphasen auf hochbelasteten Hauptstrecken bislang nicht immer so organisiert werden, wie es ein verlässlicher Bahnverkehr erfordert.“
Der Schwerpunkt der Bauarbeiten lag auf verschiedenen Abschnitten nördlich von Marburg. Gerade dort kam es im Regionalexpressverkehr zu massiven Verspätungen. Verzögerungen von deutlich mehr als einer Stunde waren keine Ausnahme, sondern wurden an vielen Tagen eher zur Regel. In der Folge mussten insbesondere Züge des RE30 aufgrund der hohen Verspätungen häufig vorzeitig wenden. Zahlreiche Fahrten endeten daher nicht in Kassel Hauptbahnhof, sondern bereits in Wabern. In südlicher Richtung wurden aus Kassel kommende Fahrten teilweise schon in Friedberg oder sogar in Gießen vorzeitig beendet, statt bis Frankfurt durchzufahren.
Die Folge waren massive Überfüllungen und Mitnahmeprobleme in den kleinen Dieseltriebwagen der Linie RB?39 zwischen Wabern und Kassel, in die zahlreiche gestrandete Fahrgäste aus den vorzeitig endenden RE?30-Zügen drängten. Diese Zustände zeigen deutlich, dass das Baustellenmanagement gravierende Planungsmängel aufweist.
Zusätzlich wurden mehrfach geplante Sperrpausen überschritten. Insbesondere nachts und an Wochenenden waren Vollsperrungen zwischen Marburg und Kassel mit vollständiger Einstellung des Zugverkehrs geplant. Besonders gravierend war die Situation am Montag, 16. März: Nachdem die betroffenen Streckenabschnitte an diesem Morgen eigentlich wieder teilweise befahrbar sein sollten, verkehrten RE30 und RE98 zwischen Treysa und Kassel zunächst überhaupt nicht. „Wenn Sperrungen länger dauern als angekündigt und Züge dann kurzfristig ausfallen, stehen die Fahrgäste buchstäblich im Regen und wissen nicht, wie sie ihre Reise fortsetzen sollen“, so Schäfer und Loth.
Auch die Fahrgastinformation war in weiten Teilen unzureichend. Die Änderungen infolge der Bauarbeiten waren erst sehr kurzfristig vor Beginn der Maßnahme in Apps und elektronischen Verbindungsauskünften eingepflegt. Für viele Reisende war es dadurch kaum möglich, frühzeitig mit den Einschränkungen zu planen. Hinzu kam, dass zahlreiche Fahrplanänderungen fehlerhaft oder unvollständig dargestellt wurden. Einzelne Ersatzbusleistungen tauchten in den Auskunftssystemen überhaupt nicht auf. In der Praxis kam es zusätzlich vor, dass Busse geplante Halte ausließen.
Für zusätzliche Verwirrung sorgte außerdem eine fehlerhafte Fahrgastinformation bei den Regionalbahnen zwischen Marburg/Dillenburg und Frankfurt. Dort wurde häufig fälschlicherweise ein notwendiger Umstieg in Gießen angezeigt. Tatsächlich war dieser in vielen Fällen – wie auch im Regelbetrieb – nicht erforderlich, da derselbe Zug lediglich unter einer anderen Liniennummer weiterfuhr. Bei den Fahrgästen sorgte dies für zusätzlicher Verwirrung. „Gerade bei Fahrplanabweichungen wie Baumaßnahmen ist die korrekte Fahrgastinformation unerlässlich“, so Till Schäfer. „Für viele Pendlerinnen und Pendler waren die vergangenen Wochen ein täglicher Stresstest“, erklärt Philipp Loth vom VCD-Landesvorstand. "Wir fordern DB InfraGO auf an tragfähigen Baustellenkonzepten zu arbeiten damit sich ein solches Chaos nicht wiederholt.“