Landesverband Hessen, Kassel, Bahn & Bus, Pressemitteilung

Elektrisch auch auf der Nebenstrecke - VCD begrüßt den Praxistest neuer Züge mit Batterie-Antrieb

Kassel/Frankfurt, 11.9.2026. Klimafreundliche Mobilität bedeutet auch für die Bahn das Verbrenner-Aus und somit vollständig elektrische Mobilität. Da aber nicht über jeder Nebenstrecke eine Oberleitung hängen kann, sind alternative Antriebe nötig. Meist werden die Elektromotoren dabei von Wasserstoffzellen gespeist oder beziehen ihren Strom aus Akkus, die über vorhandene Oberleitungen geladen werden.

Der Verkehrsclub Deutschland, VCD in Hessen begrüßt, dass in Hessen an verschiedenen Stellen batterie-elektrische Antriebe erprobt werden, wie seit einiger Zeit bereits zwischen Wiesbaden und Niedernhausen sowie im Westerwald. Für zunächst fünf Jahre sollen nun auch im Norden des Bundeslandes drei Akkutriebwagen von Siemens (Mireo Smart Plus B) unterwegs sein und Dieseltriebwagen ersetzen. Die Pilotstrecken dieser „BEMUs“ (batterieelektrischer Triebwagen) sind die RB 38 (Treysa–Kassel) und RB/RE39 (Kassel–Bad Wildungen) sowie die RB 94 (Marburg–Bad Laasphe). Die Fahrzeuge sind mit Mitteln des Landes vom Hersteller geleast. Sie sollen je nach Einsatzbedingungen zwischen 80 und 120 km rein akku-elektrisch ohne Zwischenladung fahren können.

"Wir halten ein vorsichtiges Vorgehen nach dem Desaster mit den Wasserstoffzügen im Taunusnetz für richtig", so Philipp Loth und Till Schäfer vom hessischen VCD Landesvorstand. "Fragen zu Reichweiten, Witterungseinflüssen, Topographie oder zusätzlichen Stromverbräuchen können nur im Praxistest im Nordwesthessennetz beantwortet und für den zukünftigen Betrieb erprobt werden." Schließlich ist nicht auszuschließen, dass es qualitative Probleme gebe, wie es bei der Auftaktveranstaltung am 9. September 2026 in Kassel hieß. Ausgesprochen erfrischend mutete dort ein Satz der DB Regio-Vorständin Nicole Berlin an: Heute feiere man den Zug, morgen müsse man einen verlässlichen Betrieb liefern.

64,4 % des hessischen Schienennetzes sind derzeit elektrifiziert. Sollte sich die Technologie batterieelektrischer Triebwagen bewähren, kommen sie in Hessen auf einem Großteil der derzeit nicht-elektrifizierten Strecken in Frage. Dies gilt umso mehr, als dass die Reichweite durch Mitnutzung von elektrifizierten Streckenabschnitten vergrößert werden kann. Auch eine schrittweise Elektrifizierung ist so möglich. An Grenzen stößt die Technik aber noch auf langen, nicht-elektrifizierten Strecken mit hohem Fahrgastaufkommen und Spezialfahrzeugen, wie bei S-Bahnen, RegioTrams oder Doppelstockwagen. Daher werden diese Fahrzeuge keinen vollständigen Ersatz für Elektrifizierungen bieten können.

"Wir fordern das Land Hessen auf, den Anteil der elektrifizierten Strecken zu erhöhen", so Loth und Schäfer. "Insbesondere die Strecke Obervellmar–Wolfhagen, das Taunusnetz, die Lahntalbahn, die Dreieichbahn und die Odenwaldbahn." Der VCD Hessen erwartet bei allen kommenden Ausschreibungen die Berücksichtigung der Praxiserfahrung batterie-elektrischer Antriebe.

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