Landesverband Hessen, Bahn & Bus, Pressemitteilung

Fahrplanwechsel bringt Verbesserungen – doch es bleibt viel Luft nach oben

Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 ergeben sich erneut zahlreiche Änderungen im hessischen Schienenpersonennahverkehr. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßt die damit verbundenen Verbesserungen, kritisiert jedoch zugleich, dass das Angebot in weiten Teilen Hessens noch deutlich hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückbleibt.

Westhessen: Mehr Verbindungen, aber weiter zu wenig Kapazität

Nach Abschluss der Generalsanierung der rechten Rheinstrecke geht nun auch der neue zweistündliche Regionalexpress RE19 zwischen Frankfurt, Rüdesheim und Koblenz in Betrieb – allerdings mit einem Jahr Verspätung. Zusammen mit dem RE2 entsteht damit zwischen Frankfurt und Koblenz ein attraktiver RE-Stundentakt.

Die zusätzliche Verbindung ist dringend notwendig: Die RB10 zwischen Frankfurt, Wiesbaden, Rüdesheim, Koblenz und Neuwied ist bereits heute massiv überlastet. Der VCD begrüßt daher die Kapazitätserweiterung durch den RE19. Allerdings wird diese bei weitem nicht ausreichen, um die Überfüllung dauerhaft zu vermeiden.

„Auf der RB10 und dem neuen RE19 müssen ausreichend große Fahrzeuge eingesetzt werden, um genügend Platz zu bieten.“, so Simon Kern aus der VCD-Fachgruppe öffentlicher Verkehr. Zudem fällt auf, dass der Takt auf der RB 10 nicht mehr einheitlich ist.

Mittelhessen: Verbesserungen, aber weiterhin Lücken im Angebot

RB45: Brechung erhöht die Zuverlässigkeit

Wie vom VCD in seinem Schwarzbuch gefordert, wird die langlaufende RB45 zwischen Limburg, Gießen und Fulda künftig in Gießen gebrochen. Die Züge verkehren dann auf den Abschnitten Limburg–Gießen und Gießen–Fulda. In Gießen besteht jeweils Anschluss.

Der VCD begrüßt diese Änderung ausdrücklich. Mit einer Fahrzeit von mehr als drei Stunden war die RB45 besonders anfällig für Verspätungen. Gleichzeitig nutzten vergleichsweise wenige Fahrgäste die Verbindung über die gesamte Strecke. Die Aufteilung in zwei Linien bietet daher die Chance, die Zuverlässigkeit im Betrieb zu verbessern.

Main-Weser-Bahn: Schnelle RE-Verbindungen noch nicht in jeder Stunde

Auf der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt, Gießen und Kassel verkehrt künftig in drei von vier Stunden ein schneller Regionalexpress zwischen Frankfurt und Kassel mit Doppelstockzügen. Das ist eine Verbesserung gegenüber dem bisherigen Angebot.

Aus Sicht des VCD reicht dies jedoch nicht aus. Auch in der verbleibenden Stunde braucht es eine schnelle RE-Verbindung, um den Takt zu vervollständigen.

Fahrgäste werden zudem weiter unter Verschlechterungen leiden, die sich bereits zum vergangenen Fahrplanwechsel ergeben haben. So verkehrt die RB41 häufig weiterhin oft nur bis Kirchhain, statt wie im letzten Jahr bis Stadtallendorf. „Der seit letztem Jahr notwendige Umstieg in Kirchhain ist mit knapper Umsteigezeit bei langen Laufwegen praktisch nicht machbar“, so Andrea Tobelander Sprecherin der VCD-Regionalgruppe Marburg-Biedenkopf.

Im RB-Verkehr bräuchte es auf der Main-Weser-Bahn einen durchgehenden RB-Stundentakt in den Abschnitten Frankfurt-Treysa und Treysa-Kassel. Auch im Nordabschnitt besteht nach Leistungsverschiebung zwischen Treysa und Kassel meist nur ein Zweistundentakt. Die größtenteils lediglich zweistündliche Anbindung der kleinen Orte zwischen Treysa und Wabern ist kein attraktives Angebot.

Dillstrecke: Neue Verbindungen, aber keine direkte Anbindung an Köln

Nachdem die IC-Linie 34 zwischen Frankfurt, Wetzlar, Siegen und Münster beziehungsweise Dortmund nicht mehr verkehrt, wird das Nahverkehrsangebot auf der Dillstrecke zwischen Gießen, Wetzlar und Siegen neugestaltet.

Der VCD begrüßt sowohl die Verlängerung der RB40 (neu RB42) von Dillenburg nach Siegen als auch die Einführung eines neuen zweistündlichen RE40 zwischen Frankfurt, Wetzlar und Siegen. Damit wird das Angebot auf der Strecke im Gesamten verbessert. Gießen ist im schnellen RE-Verkehr jedoch nicht mehr stündlich an Siegen, sondern nur noch zweistündlich angebunden was eine Verschlechterung darstellt. Zu hoffen bleibt, dass der sehr kurze Umstieg in Siegen zwischen den hessischen RE-Linien und den nordrhein-westfälschen RE-Zügen nach Dortmund, Köln und Aachen zuverlässiger wird.

Im Nahverkehr zwischen Köln und Gießen/Frankfurt werden Fahrgäste auch in den kommenden Jahren innerhalb von 4 Minuten Siegen umsteigen müssen und dabei weiterhin auf einen zuverlässigen Anschluss angewiesen sein. Gerade auf dieser Relation sind zahlreiche Menschen unterwegs.

Eine Durchbindung von Köln nach Gießen war von nordrhein-westfälischer Seite vorgesehen. Der RMV hat diese aus Sicht des VCD, wichtige Verbesserung jedoch verhindert. Damit bleibt eine attraktive Direktverbindung zwischen den beiden Regionen weiterhin aus. Da der zweistündliche RE99 ohnehin tagsüber nur zwischen Siegen und Gießen verkehrt, wäre eine entsprechende Verlängerung des nordrhein-westfälschen RE9 aus Aachen nach Gießen gut umsetzbar.

Neue Züge lassen weiter auf sich warten

Sowohl in Mittelhessen als auch im Kinzigtal fehlen weiterhin die vorgesehenen spurtstarken Züge des Typs Alstom Coradia Max. Nach aktuellem Stand ist mit einer Auslieferung vor 2028 nicht zu rechnen.

Das ist problematisch: Einerseits stehen nicht mehr genügend ältere Doppelstockwagen zur Verfügung, andererseits sind gerade im Kinzigtal spurtstarke Fahrzeuge notwendig, um die Fahrzeiten einzuhalten und den vorgesehenen Fahrplan stabil zu betreiben. Die verzögerte Bereitstellung der neuen Züge erschwert damit die zuverlässige Umsetzung des geplanten Angebots und der Bereitstellung ausreichender Sitzplatzkapazitäten.

Generalsanierung der Kinzigtalbahn: Ersatzkonzept bleibt hinter den Möglichkeiten zurück

Ab dem 14. August 2027 wird die Kinzigtalbahn generalsaniert. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass das vorgesehene Ersatzkonzept im Schienenverkehr unzureichend ist.

Ursprünglich war geplant, während der Bauarbeiten zwischen Gemünden und Fulda durchgehende RE-Züge mit Anschlüssen aus bzw. nach Frankfurt einzurichten. Diese werden, nach aktuellem Stand nicht eingerichtet, sondern mehrere Umstiege werden nötig. Damit fehlt den Fahrgästen zwischen Frankfurt und Fulda eine attraktive Alternative zum eingeschränkten Bahnangebot während der Generalsanierung.

Der VCD kritisiert, dass die Möglichkeiten zur Verbesserung des Ersatzverkehrs nicht ausgeschöpft werden. Gerade bei einer langfristigen Streckensperrung müssen die Bedürfnisse der Fahrgäste stärker berücksichtigt und leistungsfähige Alternativen geschaffen werden. Wir hoffen dennoch, dass im Schienenersatzverkehr dies mit entsprechenden Schnellbussen abgemindert wird. Für durchfahrende Reisende im Regionalverkehr verlängert sich die Fahrzeit um rund 80 Minuten, wenn das Schnellbuskonzept nicht funktioniert.

Fazit:

„Der Fahrplanwechsel bringt einzelne Verbesserungen. Die zentralen Schwächen bleiben jedoch bestehen: zu wenig Kapazität im Rheintal, Taktlücken auf der Main-Weser-Bahn, fehlende Direktverbindungen nach Köln und ein unzureichendes Ersatzkonzept für die Kinzigtalbahn.“, so Philipp Loth Sprecher der VCD-Fachgruppe öffentlicher Verkehr und VCD Landesvorstandsmitglied.

 

 

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