Wiederholt stranden Fahrgäste an Bahnhöfen, weil bei plötzlichen Störungen kein Schienenersatzverkehr (SEV) organisiert werden kann. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert deshalb von den jeweiligen Aufgabenträgern und den Eisenbahnverkehrsunternehmen ein verlässliches Störungsmanagement und kurzfristig verfügbare Ersatzverkehre.
In den vergangenen Wochen kam es in Hessen und Umgebung mehrfach zu Störungen und unterbesetzten Stellwerken, bei denen kein oder nur ein unzureichender Schienenersatzverkehr organisiert werden konnte. Fahrgäste standen dadurch insbesondere in den Abend- und Nachtstunden an Bahnhöfen und hatten keine Möglichkeit, ihre Reise fortzusetzen.
Beienheim: Fahrgäste stranden nach Personenunfall
Am Montagabend dem 21.9 kam es im Bereich Dorheim zwischen Nidda und Friedberg zu einem Personenunfall. Die Züge aus Nidda und Wölfersheim endeten aufgrund dessen in Beienheim. Gegen 20:30 Uhr fuhr von Beienheim kein Linienbus mehr in Richtung Friedeberg. Trotz Bemühung der anwesenden Mitarbeiterin im örtlichen Stellwerk, konnte die HLB kein Taxi oder Busersatzverkehr für die vier Fahrgäste organisieren. Schließlich musste privat ein Taxi organisiert werden, dessen Kosten sich die vier Fahrgäste teilten.
Kinzigtalbahn: Keine Ersatzbusse bei Stellwerksausfällen
Auch im Kinzigtal zwischen Fulda und Frankfurt - einem zentralen Hauptstreckenkorridor - kam es in den vergangenen Wochen mehrfach zu abendlichen und nächtlichen Stellwerksunterbesetzungen. Hier wurden nach den vorliegenden Erfahrungen auch keine Ersatzbusse bereitgestellt.
Auf der Kinzigtalbahn sind die zurückzulegenden Entfernungen teilweise erheblich. Eine Taxifahrt kann daher schnell sehr teuer werden. Notwendige Taxifahrten werden bis zu einem Betrag von 120 Euro abends unter bestimmten, strengen Voraussetzungen (kein organisierter SEV, kein Personal erreichbar, Ankunft nach Mitternacht am Zielort bzw. letzte Verbindung des Tages wird nicht mehr erreicht) erstattet werden.
Bad Kreuznach – Mainz: Zwei Stunden für eine eigentlich schnelle Verbindung
Aufgrund eines Kabeldiebstahls war der Verkehr am Sonntag, dem 20.9 zwischen Bingen und Mainz erheblich beeinträchtigt. Daher wurde zwischen Bad Kreuznach und Mainz einen SEV eingerichtet. Der RE3 Saarbrücken – Idar-Oberstein – Frankfurt, der wegen einer Brückenbeschädigung über Bingen umgeleitet wurde, wurde nur noch bis Bingen geführt. In Bad Kreuznach wurde auf den SEV verwiesen, da es ab Bingen wohl nicht mehr weiter ginge. Durch eine Verspätung wurde der geplante SEV nicht erreicht. Der folgende Bus ca. 20 Minuten später fuhr direkt nach Mainz, jedoch über die Autobahn. Weshalb nur Sitzplätze erlaubt waren. Es kam nur ein Bruchteil der Fahrgäste rein. Daraufhin wurde auf einen Zug nach Bingen verwiesen und ab dort auf die RB26. Durch eine Streckenstörung zwischen Bad Kreuznach und Bingen wurde der Anschluss knapp verpasst. In Bingen wurde auf einen weiteren SEV-Bus verwiesen. So wurden für die Strecke Bad Kreuznach – Mainz etwa zwei Stunden, statt normal ca. 25 – 30 Minuten benötigt.
Fahrgäste brauchen im Störungsfall eine verlässliche Reisekette