Landesverband Hessen,
Bahn & Bus
VCD lobt Verbesserungen, Fahrgäste werden aber mehr stehen müssen - S-Bahnverlängerungen keine Alternative
Frankfurt, 21.9.2026 Der RMV hat die ersten redesignten, in grün-lichtgrau-anthrazitfarben gehaltenen Fahrzeuge der Baureihe 430 der S-Bahn Rhein-Main vorgestellt. Die Einsätze sind ab Oktober geplant. Schrittweise sollen 98 Fahrzeuge der insgesamt 214 Fahrzeuge umfassenden Frankfurter S-Bahnflotte eine vollumfängliche Modernisierung durchlaufen. Weitere 74 Fahrzeuge der älteren Baureihe 423 erhalten eine Lebensdauerverlängerungsmaßnahme.
Mit dem neuen Design wird sich einiges für den Fahrgast verändern: Es gibt erheblich weniger Sitzplätze – in Summe nur noch 128 statt bislang 176, die 1. Klasse wird abgeschafft. Dafür erhalten Fahrgäste mit Kinderwagen, Rollstühlen und insbesondere Fahrrädern mehr Platz in den Mehrzweckbereichen. Auch Reisende mit Gepäck und großen Koffern haben nun bessere Möglichkeiten diese unterzubringen – sowohl auf den Flächen entfernter Sitze als auch unter Sitzbänken. Aus Gewichtsgründen mussten die bisherigen, wenig genutzten Gepäckträger über den Sitzen entfernt werden. Insgesamt zeigen sich die Fahrzeuge innen in einem hochwertigen, modernen Design. Weitere vorteilhafte Änderungen: Neue Bildschirme mit Fahrgastinformationen, die nun von allen Plätzen aus klar lesbar sind. Die verbliebenen Sitze erhalten einen besseren Bezug. Steckdosen an allen Sitzplätzen runden das Angebot ab. Durch Abbau der Gepäckträger und Sitze sowie kleinere Windfänge an den Türbereichen wird der Innenraum eine deutlich größere Durchsicht erhalten.
Der Metropolverkehr zeichne sich dadurch aus, dass Fahrgäste typischerweise nicht länger als eine Viertelstunde im Zug verbringen, heißt es von Seiten des RMV. Daher könne auf höherwertigen Komfort wie ausreichend Sitzplatzanteile, 1. Klasse oder Toiletten verzichtet werden.
Till Schäfer und Philipp Loth, Vorstandsmitglieder des ökologischen Verkehrsclub Deutschland, VCD in Hessen, erläutern: „Die Fahrzeug sind klar für den Kurzstreckenverkehr umgerüstet worden. Dies erklärt den Fokus auf zusätzliche Stehplätze und die Auffangflächen in den Türbereichen. Daraus erschließt sich aber, dass die S-Bahnen nur innerhalb eines sehr begrenzten Ballungsraums sinnhaft verkehren können. Auf viel genutzten Pendelstrecken wie beispielsweise Frankfurt–Wiesbaden werden viele Fahrgäste die zugrunde gelegte Fahrzeit von 15 Minuten überschreiten – und damit im Berufsverkehr öfters stehen müssen.“ Denn bei einem Langzug aus drei Einheiten fehlen zukünftig immerhin 144 Sitzplätze. Und im S-Bahnnetz sind weder längere noch häufigere Züge möglich. „Die Nachteile des Redesigns werden die Fahrgäste auf den Stehplätzen zu spüren bekommen“, so der VCD.
S-Bahnverlängerungen keine Alternative
Für den VCD Hessen bedeutet dies in der Konsequenz, dass S-Bahnen über den Kernbereich des Ballungsraums keine Regionalbahnen ersetzen können. Fahrgäste erwarten höheren Komfort, Toiletten und eine Sitzplatzgarantie, wenn sie länger unterwegs sind, gerade auch im Berufsverkehr. „Aus diesem Grund sind Überlegungen zu S-Bahnverlängerungen in Frage zu stellen und stattdessen durch schnellere und komfortablere Regionalbahn- und Regionalexpress-Zugsysteme zu forcieren“, so Schäfer und Loth abschließend.