Landesverband Hessen, Bahn & Bus, Pressemitteilung

Solmsbachtalbahn: VCD sieht attraktives Bahnangebot mit Potenzial

Der Verkehrsclub Deutschland, VCD in Hessen kritisiert das intransparente Vorgehen des Lahn-Dill-Kreises und sieht keinen Grund für einen voreiligen Stopp der Überlegungen

Frankfurt/Kassel, 20.8.2026. Am Montag, den 24. August 2026, befasst sich der Bauausschuss des Lahn-Dill-Kreises mit einer Beschlussvorlage, die vorsieht, die Reaktivierung der Solmsbachtalbahn nicht weiterzuverfolgen. Hintergrund ist eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Strecke, die auf einen Nutzen-Kosten-Wert von 0,93 und damit knapp unter dem Wert von 1,0 kommt. Erst ab einem Wert von über 1,0 können Reaktivierungsvorhaben von stillgelegten Bahnstrecken grundsätzlich finanziell vom Bund gefördert werden.

Aus Sicht des Verkehrsclub Deutschland, VCD in Hessen besteht jedoch ausreichend Potenzial, den ermittelten Wert zu verbessern und über die Fördergrenze zu heben.

Der VCD kritisiert, dass die Machbarkeitsstudie, die von RMV und dem Lahn-Dill-Kreis mit Steuermitteln in Auftrag gegeben worden war, seit über einem Jahr vorlag, aber bis heute nicht der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Nun soll der Bauausschuss des Kreistages Lahn-Dill plötzlich ohne die Beteiligung von Verbänden und der breiten Öffentlichkeit in nur wenigen Tagen jegliche weitere Befassung mit den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie beenden. Als VCD missbilligen wir dieses intransparente und der Sache nicht dienliche Vorgehen ausdrücklich.

Das Fahrgastpotenzial wird in Machbarkeitsstudien in der Regel zu niedrig angesetzt. Bei der Reaktivierung der Strecke zwischen Frankenberg und Korbach hat sich beispielsweise gezeigt, dass die prognostizierten Fahrgastzahlen bereits kurz nach der Wiederaufnahme des Betriebs um das Vierfache übertroffen wurden.

„Das Pendlerpotenzial aus dem Lahn-Dill-Kreis in Richtung Frankfurt und Hochtaunus wird in der Studie deutlich unterschätzt", findet Philipp Loth Mitglied im hessischen VCD Landesvorstand. „Die Mainmetropole ist nicht nur ein bedeutender Arbeitsplatzstandort, sondern bietet auch vielfältige Kultur- und Freizeitangebote und dient als wichtiger Umsteigepunkt zum Fernverkehr." 

„Darüber hinaus ließen sich die untersuchten Fahrplanvarianten weiter optimieren, um Fahrzeiten zu verkürzen", ergänzt Fabian Mitter, Bahnexperte vom VCD Rhein-Main.

In der Machbarkeitsstudie wird als zentrales Argument gegen die Reaktivierung angeführt, dass die genannte Strecke auch mit dem Auto befahrbar sei und „keine Hindernisse“ bestünden.

Würde man dieser Argumentation folgen, könnten kaum Bahnstrecken mehr reaktiviert werden. Auch viele weitere Argumente sind nicht stimmig. Nicht nur werden sämtliche Aspekte der Nachhaltigkeit, Lärmminderung, Luftreinhaltung sowie der freien Wahl des Verkehrsmittels außer Acht gelassen. Es wird auch nicht bedacht, dass nicht alle Menschen über ein Auto oder eine Fahrerlaubnis verfügen. 
Auch jegliches touristische Potential einer Bahnstrecke wird komplett vernachlässigt, das der VCD jedoch beispielsweise hinsichtlich Schloss Braunfels und Radtourismus sieht.

Die Reaktivierung der Solmsbachtalbahn ist für die Zukunft des Trassenabschnitts zwischen Grävenwiesbach und Brandoberndorf von hoher Bedeutung.

Es ist geplant, die S5 schrittweise bis Grävenwiesbach zu verlängern. Ein Rumpfbetrieb mit Regionalbahnzügen auf den dann noch verbleibenden acht Kilometern zwischen Grävenwiesbach und Brandoberndorf mit einem Zwischenhalt wird von RMV und Landkreis vermutlich als wenig rentabel betrachtet werden. Somit wird dann eine Debatte über die Stilllegung des Abschnittes zwischen Grävenwiesbach und Brandoberndorf drohen.

Der VCD Hessen fordert die Mitglieder des Bauausschusses sowie Lokal- und Landespolitik dringend auf, die Reaktivierung der Solmsbachtalbahn weiterzuverfolgen und das Vorhaben nicht voreilig auf Eis zu legen.

„Das Ergebnis von 0,93 liegt bereits nahe an der Förderfähigkeit", so Fabian Mitter und Philipp Loth. „Wir sehen Mängel in der Studie und mangelnden politischen Willen. Eine Reaktivierung der Solmsbachtalbahn sehen wir hingegen als Chance, den ländlichen Raum an die Ballungszentren anzubinden und die Wohn- und Lebensqualität zu steigern."

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