Frankfurt & Rhein-Main

Tagelange Streckensperrung in Mittelhessen: Und danach zur Tagesordnung?

Ereignisse wie der aktuelle Böschungs- und Kabelbrand mit der Folge einer tagelangen Streckensperrung rund um Friedberg sind nie absolut auszuschließen. Es braucht dann aber neben Notfallplänen vor allem ein vertrauenswürdiges Informations-Management. Hier ist auch die Landesregierung in der Pflicht über den RMV eine bessere Koordination zu erwirken, meint der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Hessen. Gerade bei über mehrer Tage laufenden Ersatzverkehren ist der RMV mit in der Pflicht.

 

 

Die Schlagzeilen bestimmte der bundesweite Stillstand des Bahnbetriebs. Was im Großen dann doch ein absoluter Ausnahmefall war, der sich in zwei Stunden reparieren ließ, ist im Kleinen ein fortwährendes Ärgernis. Die Zahl der Störungen und Zugausfälle im Regionalverkehr ist Legion, und die Bahn ist häufig nicht wirklich vorbereitet.

Wegen eines Böschungs- und folgenden Kabelbrandes sind nun, Ende Juni, die Bahnstrecken rund um Friedberg tagelang gesperrt, weil das elektronische Stellwerk ausgefallen war. Hier scheint es absolut keine Rückfallebene zu geben, die im Zusammenhang mit dem Ausfall des Zugfunksystems mit dem Stichwort „Resilienz der kritischen Infrastruktur“ so oft gefordert wurde. Das Vertrauen in komplexe Systeme scheint grenzenlos. Vom Kunden erwartet man, dass der die Folgen trägt, falls sie mal nicht funktionieren.

Man kann sich nicht auf alle Eventualitäten konkret vorbereiten. Aber mindestens zwei Maßnahmen könnten im „Fall des Falles“ helfen, so der VCD Hessen:

  • Eine regionale, feste und unmittelbar abrufbare Busreserve mit Fahrpersonal in Bereitschaft auch über die vielen Baustellen-bedingten Ersatzverkehre hinaus. Es dauert regelmäßig Stunden, bis Ersatzverkehre neu eingerichtet sind. Viele Reisende sind dann glücklich, sich vorher mit dem Auto abholen lassen zu können. Oder zahlen Unsummen für die Taxifahrt. Leidtragende sind immer wieder die Leistungsträger in unterdurchschnittlich bezahlten Berufen, die weder ein Auto noch das Geld für das Taxi übrig haben, aber wegen der hohen Wohnungskosten auf die „Öffis“ angewiesen sind.
  • Eine Task force für die Information der Bahnmitarbeiter(innen) und der Fahrgäste. Was man am Nachmittag des 23. Juni konkret erleben konnte, spottet jeglicher Beschreibung. Da wurden (so zwischen Rosbach und Friedberg) Ersatzbusse mit konkretem Fahrplan ausgewiesen, die nicht fuhren. Da verzeichnete die DB-App noch die meisten Züge zwischen Frankfurt und Gießen als regulär verkehrend, obwohl die Strecke schon längst gesperrt war. Da empfahl die Anzeige am Bahnhof Bad Nauheim, man möge doch bitte in die Aushangfahrpläne schauen obwohl diese lediglich den Regelfahrplan enthielten.
  • Eine abgestimmte oder wenigstens „geteilte“ Information bei den einzelnen Verkehrsträgern auf den unterschiedlichen Informationskanälen. Die HLB hat es für ihre Züge auf ihrer Webseite vorbildlich hinbekommen: Detaillierter Ersatzfahrplan plus Wegeleitung zu den Haltestellen für den Schienenersatzverkehr. In der RMV wurden zunächst nur pauschal die gestrichenen Verbindungen aufgelistet. Im DB Navigator fehlten anfangs auch Informationen zu Schienenersatzverkehren und es fehlten Informationen zu Ausfällen. Völlig unverständlich ist eine Meldung von DB Fernverkehr: „Zwischen Frankfurt (Main) Hbf, Friedberg(Hess), Gießen, Marburg (Lahn), Treysa, Wabern (Bz Kassel) und Kassel-Wilhelmshöhe nutzen Sie bitte die Nahverkehrszüge der Linien RE 30 und RE 98“. Da hat man nicht mitbekommen, dass die Strecke komplett gesperrt ist. Zum Busnotverkehr des RE30 gibt es in den Verbindungsauskünften immer noch keine Informationen.

Die vielen unterschiedlichen Zuständigkeiten im Bahnsystem begünstigen ein Verschwimmen von Verantwortung. Es wäre auch die Aufgabe des Landes Hessen (bzw. des zuständigen Ministers Kaweh Mansoori), zusammen mit dem RMV Abhilfe zu schaffen. Zunächst und zumindest für eine Koordination der Information, aber auch durch mehr Interesse an der gesellschaftspolitisch so wichtigen Bahn.

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