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Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum hat kürzlich eine neue Arbeitshilfe zur Erteilung des sogenannten Streckenführerscheins für Auszubildende ab 17 Jahren vorgelegt. Der Jugendverband jungVCD bewertet diesen Schritt als rein administrative und vor allem kostengünstige Notlösung, die für das Land keinerlei zusätzliche finanzielle Mittel erfordert, um jungen Menschen im ländlichen Raum den Weg zur Ausbildungsstätte zu sichern. Gleichzeitig warnt der Verband jedoch davor, dass diese Neuregelung über tiefgreifende strukturelle Defizite im öffentlichen Nahverkehr hinwegtäuscht.
„Wir können absolut nachvollziehen, dass der Weg zur Ausbildung für Auszubildende verlässlich und tragbar sein muss. Wenn Busse in ländlichen Regionen nicht regelmäßig fahren oder unzumutbare Fahrzeiten erfordern, ist der Streckenführerschein in engen Ausnahmefällen ein notwendiges Hilfsmittel“, erklärt Elias Benninger, Nordhesse und Bundessprecher des Jugendverbands jungVCD. „Dennoch dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, dass hier eklatante Push-Pull-Faktoren wirken, die junge Menschen unmittelbar nach der Volljährigkeit – oder nun dank Sonderregeln noch früher – in den motorisierten Individualverkehr hineindrängen.“
Aus Sicht des jungVCD greift die Debatte zu kurz, solange die Rahmenbedingungen im öffentlichen Verkehr für junge Menschen unattraktiv und teuer bleiben. So ist das Schülerticket Hessen bereits ab der 11. Klasse beziehungsweise für Auszubildende kostenpflichtig (398 Euro pro Jahr) – genau in jenem Alter, in dem auch der Führerschein greifbar wird.
Hinzu kommen massive Hürden in den hessischen Grenzregionen: Verbindungen sind oft nur bis zum Grenzbahnhof nutzbar, und das Deutschlandticket als verlässliche Alternative droht für viele Familien und Jugendliche mit Kosten von bald über 800 Euro jährlich zur finanziellen Hürde zu werden, zumal echte, unbürokratische Übergangsregelungen fehlen.
Auch der starre und unattraktive Schülerverkehr, bei dem Busse oft knapp eine halbe Stunde vor Schulbeginn eintreffen oder mangelhafte Anbindungen bieten, sowie fehlende Rückfahrmöglichkeiten am Abend und nach Veranstaltungen konterkarieren ein zeitgemäßes Mobilitätsverhalten junger Menschen, das auf Flexibilität, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit ausgelegt ist. Stattdessen wird das Auto oft als einzig verlässliche Alternative wahrgenommen.
„Wer den ÖPNV als echte und bekannte Alternative zum Pkw etablieren möchte, darf bei jungen Menschen nicht am falschen Ende sparen“, betont Benninger. Der jungVCD fordert deshalb von der Landespolitik konsequente Reformen statt reiner Symptombekämpfung:
Der Streckenführerschein mag für Härtefälle kurzfristig Entlastung bringen – die eigentliche Aufgabe der Landespolitik bleibe jedoch ein ÖPNV, der so gut ausgebaut und günstig ist, dass das Auto gar nicht erst zur Pflicht wird, so der Verband.