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Ab dem kommenden Sonntag, 14. Dezember, gilt der neue Jahresfahrplan. Insgesamt bleibt der neue Fahrplan in Hessen hinter den Erwartungen zurück; neben einigen positiven Aspekten gibt es zahlreiche Verschlechterungen.
„Auch in diesem Jahr ergeben sich wieder zahlreiche Änderungen. Neben einigen wenigen Verbesserungen müssen Fahrgäste in den verschiedenen Regionen Hessens jedoch mit deutlichen Verschlechterungen rechnen.“, so Till Schäfer vom VCD Landesvorstand Hessen. „Die ICE-Halte in Friedberg entfallen, Mittelhessen wird nur noch halb so oft mit dem ICE angefahren, Mörfelden wird nur noch von der S-Bahn bedient und einige geplante positive Veränderungen können zum Fahrplanwechsel noch nicht vollständig umgesetzt werden."
Südhessen
Der RE70 wird künftig nicht mehr in Mörfelden und Mannheim-Waldhof halten. Als Begründung nennt die Deutsche Bahn die Überlastung der Riedbahn sowie die Einrichtung einer überholfreien Fernverkehrstrasse. Daher sind zukünftig mehr Verspätungen für die Kunden des Regionalverkehrs zu erwarten. Für die Anwohnerinnen und Anwohner in Mörfelden verschlechtert sich die Anbindung an Frankfurt damit erheblich; zudem entfällt die direkte Verbindung Richtung Mannheim.
Strecke Frankfurt–Hanau und Kinzigtal
Positiv hervorzuheben ist, dass der RE50 künftig alle zwei Stunden – zu Hauptverkehrszeit sogar stündlich – bis Bad Hersfeld durchgebunden wird. Die Nahverkehrsanbindung von Bad Hersfeld in Richtung Frankfurt verbessert sich durch mehr Direktverbindungen massiv. Die Nutzung der unattraktiven Umsteigesituation in Fulda mit 30 Minuten Wartezeit von RB5 auf RE50 entfällt daher für viele Reisende. Ursprünglich war allerdings eine Durchbindung des RE50 bis Bebra vorgesehen. Diese wird vorerst nicht umgesetzt. Hinzu kommt, dass die Kinzigtalbahn schon jetzt unter knappen Fahrplanpuffern leidet und die spurtstarken „Alstom Coradia Max“-Neufahrzeuge erst verspätet eintreffen. Gleichzeitig werden die bislang eingesetzten Vectron-Lokomotiven durch weniger beschleunigungsstarke Modelle ersetzt – ein Mix, der zusammen mit den baubedingten Einschränkungen, voraussichtlich zu erheblichen Problemen bei der Einhaltung der Fahrzeiten führen wird. Zugleich reduzieren sich die Kapazitäten durch die fernverkehrsbedingte Einstellung der schnellen RE5-Züge im Berufsverkehr.
Der aus dem Odenwald kommende RE85 wird mit einer Fahrtzeitverlängerung von 5 Minuten demnächst über die nordmainische Strecke mit Halt in Frankfurt Ost geführt. Der Halt in Offenbach Hbf wird dafür künftig entfallen. Der Grund hierfür ist, dass bedingt durch Fernverkehrstrassen südlich des Mains keine Kapazitäten mehr vorhanden sind. Damit entfällt aus der Region Seligenstadt die Direktverbindung nach Offenbach.
Die RB58 erhält verlängerte Fahrzeiten zum Frankfurter Hauptbahnhof samt größerer Verspätungsgefahr.
Mittelhessen
Ab dem Fahrplanwechsel wird nur noch alle vier Stunden ein ICE über die Main-Weser-Bahn mit Halt in Gießen, Marburg, Treysa und Wabern verkehren. Der Halt in Friedberg entfällt vollständig. Erst ab Juli 2026 wird ein einzelner ICE von und nach Westerland (Sylt) wieder in Friedberg halten. Friedberg komplett vom Fernverkehr abzuhängen und die Verbindungen nach Mittelhessen derart auszudünnen, ist nicht akzeptabel.
Enttäuschend ist der fehlende Einsatz der hessischen Landesregierung für die Sicherstellung eines weiterhin dichten und schnellen Anschlusses der mittelhessischen Universitätsstädte an das deutschlandweite Fernverkehrsnetz oder deren Ersatzfinanzierung.
Im Nahverkehr ist zu begrüßen, dass die RB40/41 nun immer beschleunigt zwischen Friedberg und Gießen verkehrt, wodurch sich eine Fahrtzeitverkürzung für Pendler aus dem Lahn-Dill-Kreis und nördlich von Gießen ergibt. Dafür gibt es dann eine nun stündliche als RB37 verkehrende Verbindung Frankfurt-Gießen, welche im Abschnitt zwischen Friedberg und Gießen alle Unterwegshalte bedient. Für den RE98/99 (Frankfurt-Gießen-Kassel/Siegen) beginnt ein neuer Verkehrsvertrag. Schon bisher war der RE98 gegenüber dem RE30 (Frankfurt-Kassel) und dem ICE im Nordabschnitt deutlich langsamer und bot erheblich weniger Kapazität. Die politisch vielfach geforderte und im Deutschlandtakt verankerte Einführung eines stündlich verkehrenden schnellen RE Frankfurt–Kassel wird erneut verpasst. Insbesondere durch den Entfall vieler ICE- und aller IC-Züge wäre eine Stundentakt schneller RE-Züge nach Kassel und Siegen dringlich erforderlich. Auch die Weiternutzung der viel zu kleinen Stadler-Flirt-Züge ist problematisch, da der RE98 regelmäßig völlig überfüllt ist.
Zwar sollen einzelne Fahrten des RE98 unter der Woche künftig in Doppeltraktion bis Stadtallendorf verkehren; dies stellt aber keine ausreichende Entlastung dar. Die Kapazitäten bleiben immer noch deutlich hinter denen des RE30 zurück, zudem fahren viele Züge nördlich von Gießen weiterhin nur als einfache Einheit. Notwendig wäre – wie beim RE30 – der Einsatz von Doppelstockzügen. Mit dem neuen, erneut 13 Jahre laufenden Verkehrsvertrag wurde die Chance auf geeignetere Fahrzeuge und eine deutliche Angebotsverbesserung mit einem stündlich schnellen RE nach Kassel und Siegen verpasst.
Rechte Rheinstrecke
Zu diesem Fahrplanwechsel sollte eigentlich auch die Linie RE19 als „Rheingau-Express“ zwischen Frankfurt und Koblenz in Betrieb gehen und die häufig überfüllten Züge der „RheingauLinie“ RB10 (Frankfurt–Neuwied) entlasten. Zu dieser Betriebsaufnahme wird es erst einmal nicht kommen, da die Fahrzeuge vom Hersteller bislang noch nicht ausgeliefert wurden. Allerdings wird die Linie RE9 zwischen Frankfurt und Eltville nun bis zur anstehenden Generalsanierung ab 10 Juli 2026 häufiger und regelmäßig verkehren. Die dringliche Kapazitätserweiterung durch den RE19 verschiebt sich somit auf den Fahrplan 2027 (ab 12. Dezember 2026).