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Wir trauern um Christian Behrendt

Profunder Kenner des ÖPNV mit Blick auf eine sinnvolle Verkehrswende wird fehlen.

Meist traf man ihn in der Bahn. Zwischen Wächtersbach und Walluf war er rege unterwegs, dem Kinzigtal wie dem Rheingau gleichermaßen eng verbunden. Er kannte jedes Schienenvorhaben in Deutschland und kämpfte für Reaktivierungen, Neu- und Ausbau und den Deutschlandtakt.

Christian wurde nur 61 Jahre alt. Davon war er 36 Jahre Mitglied im VCD, zunächst im Kreisverband Main-Kinzig, später in der Regionalgruppe Rhein-Main. Noch Mitte Januar nahm er ein letztes Mal an einer VCD Sitzung teil und vertrat unsere Interessen in Mainaschaff. Er hat uns an seinem immensen Wissen viele Jahrzehnte teilhaben lassen und unsere Arbeit dadurch sehr bereichert.

Christian setzte sich für den Ausbau des Nahverkehrs in Hessen ein, wobei sein Fokus vor allem auf dem Rhein-Main-Gebiet mit Hanau, Frankfurt und Wiesbaden lag, ohne den ländlichen Raum zu vernachlässigen.

Sein Engagement für den Erhalt der Dreieichbahn, in dessen Rahmen auch Fahrplanmedien erstellt wurden, brachte Christian beruflich zur ÖPNV-Planung. Die Nachfrage nach den von der Interessengemeinschaft Dreieichbahn produzierten Fahrplankarten führte zur Gründung des Verkehrsplanungsbüros IGDB. Dort brachte Christian seine Expertise, u.a. bei der Einführung neuer Stadtbussysteme (wie in Gelnhausen), ein.
Das Ende des Tiefbahnhof-Projektes „Frankfurt 21“ im Jahr 2001 war ein Meilenstein. Christian hatte ein Jahr zuvor in der unter seiner Federführung entstandenen Studie „Frankfurt Hauptbahnhof - Kopfbahnhof mit Köpfchen“ fundiert und ausführlich die negativen Auswirkungen des Projektes und Alternativen dargestellt. Die aktuellen Planungen zum Frankfurter Fernbahntunnel sah Christian dagegen als sinnvoll an. Bis zuletzt gehörte er zu den Fürsprechern dieses Projekts.

Fachlich und auch emotional blieb Christian dem Main-Kinzig-Kreis eng verbunden. Die Planungen und Ideen rund um die Mottgers-Spange, die durch das heutige Hanau-Würzburg/Fulda abgelöst wurde, hat er über Jahrzehnte begleitet, seit der Bund 1985 den Ausbau und seit 1992 den teilweisen Neubau der Eisenbahnstrecke Frankfurt-Fulda, der Kinzigtalbahn, in seinen Bundesverkehrswegeplänen aufführt. In seiner integrativen Haltung gründete er die Arbeitsgemeinschaft Bahndreieck Spessart 2000 mit, in der sich der VCD, Pro Bahn&Bus, Pro Bahn und BUND Naturschutz Bayern regelmäßig treffen, um sich zum Schienenverkehr im bayrisch-hessischen Grenzgebiet abzusprechen. Es war immer sein Ziel, dass die Fachverbände gemeinsam agierten.

Auf Grund seines Wissens und seiner Fachkompetenz war er in jedem Dialogforum zu den Bahnprojekten in Hessen ein gern gesehener und fachlich tief verwurzelter Teilnehmer, der sich großen Respekt von den Teilnehmern, Projektleitung und -mitarbeitern sowie der Moderation erarbeitete. 
Er war ein profilierter Ansprechpartner sowohl für die Politik als auch die Fachabteilungen vieler Verwaltungen. Die Themen Deutschlandtakt und Infrastrukturplanung waren für ihn maßgeblich, wofür er sich auch bei der passenden Fachgruppe von Pro Bahn einsetzte. Er war eine integrierende Person und versuchte immer, dass die Fachverbände gemeinsam agierten. Er liebte nicht nur hierbei die Detaildiskussion. Wir haben als VCD immer von seinem Wissen profitiert.

Im 1983 gegründeten Bürgerverband zur Förderung des Schienenverkehrs (heute Pro Bahn & Bus) hat er sich frühzeitig für die Verbesserung und später die Reaktivierung der Bad Ober Kleinbahn eingesetzt, die 1995 ihre letzte Fahrt hatte. Da aktuell die Städte Wächtersbach und Bad Orb die Reaktivierung als übergesetzliche Forderung im Rahmen der Ausbaumaßnahme Hanau-Fulda eingereicht haben, ist dieses Ziel von Christian vielleicht in naher Zukunft zu realisieren. Generell spielten Streckenreaktivierungen eine große Rolle in Christians Tätigkeiten.

Im September nahm, schon von seiner Krankheit schwer gezeichnet, an einer viel beachteten Demo von VCD und Fridays for Future vor dem Alten Rathaus in Hannover zur Neubaustrecke Hamburg-Hannover teil. Sein Traum, in den Bahnhof Wächtersbach einzuziehen, hat sich leider nicht realisieren lassen.

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