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Frankfurt & Rhein-Main

Der Käfer, der Wald und die Autobahn

Wir lieben den Wald. Wenn er nicht einer Autobahn im Weg steht.

Und wir lieben den Käfer. Wenn es der Richtige ist.

Der VW-Käfer, das bucklige Kultauto, geschaffen in der Zeit von Kraft durch Freude und die Autobahn, sie sind uns Deutschen ein Sinnbild für Freiheit und Wohlstand. Politiker mit Tunnelblick sagten dem Käfer gar eine heilende Wirkung für die Wirtschaft nach. Er und ihre Halter wurden deshalb gehätschelt und gepflegt.
So sind die kleinen Käfer zu fetten Brummern mutiert, lassen sich immer neue Bahnen durch die Natur fräsen und machen auch vor den urbanen Konglomeraten keinen Halt. Dort nisten sie sich in den Lebensraum unserer Spezies ein und machen allen den Platz streitig. Dessen ungeachtet werden sie von Automobilisten verehrt.

Der Heldbock. Der andere Käfer. Er lebt im Eichenwald und gilt als Schädling. Waldzerstörer wurde er in der 1950er Jahren genannt. Ihn verehrte keiner. Für unsere fortschrittliche Gesellschafft war er kein Problem. Unseren überlegenen technischen Fähigkeiten und dem Wunsch, neue Kulturlandschaften und neue Autobahnen zu schaffen, konnte er nichts entgegensetzen. Heute ist der Heldbock fast ausgestorben. Der Schädling.

Klimachaoten hatten versucht ihm im Fechenheimer Wald zu Furor zu verhelfen und durch seine und ihre Anwesenheit dort Bäume zu retten. Hunderte von Jahren alt und biologisch ein kleines Juwel war der Wald. Die Autobahn GmbH hat ihn roden lassen. Für die Freiheit der Nachfahren des beliebten Käfers und ihrer Halter.

Den Wald hätte der Heldbock, der Schädling, ja ohnehin kaputtgemacht. Langsam und grausam. Die Autobahn GmbH war zum Glück schneller. Mit Polizeischutz und deutscher Gründlichkeit. Für den Wald ein Gnadenakt. Unter dem Schädling hätte der gelitten. Wäre für keinen eine gute Sache gewesen. Nicht einmal mehr das Eichenholz hätte man gebrauchen können.

Demokratie und Gerechtigkeit waren auch irgendwie im Spiel. Aber wäre das Gericht unter dem Diktat der vom Schädling unterstützten Klimachaoten eingeknickt und hätte den brav ihre Steuern zahlenden Automobilisten die Freude an der freien Fahrt genommen, wäre der Vertrauensverlust in unser System von Recht und Demokratie immens gewesen. Da musste abgewogen werden. Und die dicken Käfernachfahren und ihre Halter wiegen nun mal schwerer als ein Schädling und Klimachaoten.

Außerdem muss endlich Schluss sein mit den andauernden Einschränkungen. Wir alle haben lange genug unter der Pandemie gelitten. Wir wollen endlich wieder aufatmen und unsere Freiheit genießen!

Wobei die Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung im Riederwald beim Aufatmen vorsichtig sein sollten. Baumaschinen gehören zu den größten motorisierten Dreckschleudern die es gibt und auf der riesigen Autobahn-Baustelle vor ihrer Türe werden sich sehr viele tummeln. Also niemals zu tief durchatmen!
Und noch schnell FFP2-Masken auf Lager legen. Was in Pandemiezeiten die Viren eingefangen hat, schützt die Lungen jederzeit vor Bau- und Feinstaub.
Das Positive: Die Masken werden, mit dem Ende der Maskenpflicht in Bussen und Bahnen, von keinem Menschen mehr gekauft und täglich günstiger. Und Kopf hoch. Die Baustelle wird in weniger als 10 Jahren verschwunden sein.
Dann wird dort ein Tunnel den heute durch den Riederwald wälzenden Strom der Automobile und Lastkraftwagen unter die Erde bringen und den Stadtteil endlich befrieden. Ein Idyll, wie es Politiker mit einem Herz für die Riederwälder versprochen haben.
Wer vorausdenkt, sollte aber auch dann immer noch ein paar Masken griffbereit haben. Denn steht der Wind schlecht, werden die Abgase und Feinstäube von täglich mehr als 100-Tausend Fahrzeugen aus den Lüftungsschloten und Tunnelschlünden der neuen Autobahn in den Stadtteil wehen.

Wem das nicht recht ist, der wende sich an die OB-Kandidaten. Bald ist Wahl und mit dem richtigen Gewinner lässt sich da bestimmt etwas anordnen oder verbieten!
Aber Nein. Leider ist das Oberhaupt der fünftgrößten deutschen Stadt bei Wetterphänomenen und der Verkehrspolitik des Bundes nicht zuständig. Darauf haben die Kandidatinnen und Kandidaten vorsorglich bereits hingewiesen. Sie sind unschuldig, an dem was gerade im Riederwald vorgeht.

Für Wetterphänomene und die Klima- und Verkehrspolitik des Bundes tragen höhere Mächte die Verantwortung. Über letztere entscheidet ein eloquenter Minister, dessen Initialen – VW – rein zufällig denen des beliebten Käfers gleichen. Er ist Mitglied einer freiheitlich-demokratischen Partei und den freiheitsliebenden Haltern der VW-Käfernachkommen im Geiste verbunden. Denen will er nichts verbieten. Auch wenn es dem Klima schadet, der Natur oder den Menschen entlang der Autobahnen. Etwas zu verbieten, das Verbietet sich für ihn.

Die Klimachaoten, die den Wald und den anderen Käfer haben wollten, den Schädling, die hat er dann aber doch aus dem Weg räumen lassen. Schließlich gibt es genug Wald in Deutschland. Voll mit Käfern. Hessen ist das waldreichste Bundesland. Da braucht sich kein Mensch beschweren, wenn ein paar hundert Hektar für die Freiheit auf den Autobahnen fallen. Die Käfernachfahren und ihre Halter brauchen einfach mehr Platz! Auf der Drei, der Fünf, der Vierundvierzig, der Neunundvierzig, der Siebenundsechzig und vielen anderen Asphaltpisten in Hessen und in Deutschland.
Heute und in Zukunft. Amen.

Klimakatastrophe, Natur- und Artenschutz mögen eine Rolle spielen. Aber Freiheit, Recht und Ordnung haben Vorrang! Und so ein Wald ist schon etwas ziemlich Unordentliches. Im Gegensatz zu einer Autobahn.

Mathias Biemann, Mitglied der VCD Regionalgruppe Rhein-Main

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