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Masten mitten auf dem Gehweg: HEAG zieht Planung für Fahrleitung der Linie 3 zurück

HEAG zieht Planfeststellung Fahrleitung Linie 3 zurück

Masten mitten auf dem Gehweg: HEAG zieht Planung für Fahrleitung der Linie 3 zurück

Nach Einwendungen im Planfeststellungsverfahren hat die HEAG mobilo ihren Antrag für die neue Fahrleitung in Bessungen zurückgezogen. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat das Verfahren am 12. November 2020 eingestellt. Als Grund nennt die HEAG geänderte Maststandorte – genau den Punkt, den wir kritisiert hatten.

Worum es ging

Die HEAG mobilo wollte die Fahrleitung der Linie 3 zwischen Nieder-Ramstädter Straße und Landskronstraße erneuern und verstärken. Hintergrund sind die neuen, stärkeren Straßenbahnen: Die bestehende Leitung kann ihren Strombedarf in den Spitzenzeiten nicht mehr decken. Die Fahrzeuge fahren deshalb bisher gedrosselt.

Das Ziel unterstützen wir ausdrücklich. Eine leistungsfähige Straßenbahn ist das Rückgrat einer klimafreundlichen Mobilität in Darmstadt.

Das Problem lag in der Umsetzung. Laut Antrag sollten 41 Masten abgebaut und 105 neu gebaut werden. Gleichzeitig sollten 130 Wandanker an den Häuserfassaden entfallen. Unterm Strich hätte das gut 60 zusätzliche Masten bedeutet – fast alle auf den Gehwegen von Karlstraße, Bessunger Straße und Ludwigshöhstraße.

Was wir eingewandt haben

Wir haben die geplanten Standorte vor Ort mit Mast-Attrappen nachgestellt und nachgemessen. Das Ergebnis: An vielen Stellen wären nach Abzug der Sicherheitsabstände nur noch 0,4 bis 1,1 Meter Gehweg übrig geblieben. Mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen ist das nicht passierbar.

Die Strecke ist eine wichtige Fußverkehrsachse mit Schulen, Geschäften des täglichen Bedarfs, Cafés, Kultureinrichtungen und einem Schwimmbad. Trotzdem enthielten die Antragsunterlagen keine Untersuchung der Auswirkungen auf den Fußverkehr. Der Erläuterungsbericht behauptete sogar, der Straßenverkehrsraum sei von der Maßnahme nicht betroffen.

Zudem bildeten die Pläne den tatsächlichen Bestand nicht korrekt ab. So fehlte etwa an der Einmündung Niederstraße ein Ampelmast – genau dort, wo ein neuer Fahrleitungsmast geplant war.

Unsere Forderung: Wo Masten nötig sind, dürfen sie nicht zulasten des Fußverkehrs gehen. Wo am Fahrbahnrand geparkt wird, gehören die Masten in diesen Bereich, etwa auf Gehwegnasen.

Das Ergebnis

Im Oktober 2020 hat die HEAG mobilo ihren Antrag zurückgezogen. Begründung: Im Laufe des Verfahrens seien Änderungen der Planunterlagen notwendig geworden, insbesondere bei den Maststandorten. Daraus entstünden neue Betroffenheiten, die eine erneute Offenlage erfordern würden. Ein komplett neuer Antrag sei deshalb der bessere Weg. Das Regierungspräsidium hat das Verfahren mit Beschluss vom 12. November 2020 eingestellt.

Wir werten das als Erfolg für alle, die in Bessungen zu Fuß unterwegs sind. Es zeigt: Einwendungen im Planfeststellungsverfahren wirken – wenn sie konkret, belegt und vor Ort geprüft sind.

Wie es weitergeht

Die Verstärkung der Fahrleitung bleibt notwendig. Wir erwarten, dass ein neuer Antrag den Fußverkehr von Anfang an mitdenkt: mit geprüften Gehwegbreiten, Alternativen zu Gehwegmasten und einer ehrlichen Abwägung zwischen Parkständen und Gehwegfläche. Wir werden auch das nächste Verfahren kritisch begleiten.

 

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