Hessen

Landesverband Hessen, Kolumne
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Mobil ohne Putins Öl

Es liegt nun an der motorisierten Mobilitätsgesellschaft, dass wir ohne fossile russische Energieträger auskommen. Dazu braucht es eines ebenso schnellen wie tiefgreifenden Strukturwandels, wobei wirksame Maßnahmen, auch unterstützt durch Corona, sofort einsetzen können.

Grundsätzlich gliedert sich motorisierte Mobilität in zwei Elemente:

  • Transport von Mensch und Ware

  • „angesagter“ Statuskonsum

Letzterer ließe sich beim doch so aufgeklärten Volk der Dichter und Denker unmittelbar und ohne sachlich zu rechtfertigende Verluste sofort einstellen: Flugtourismus, Schiffskreuzfahrten, der Betrieb von SUV und „Premium-Autos“. Tempo 100 kann jeder mündige Bürger problemlos einhalten. Hier gilt nun der ethische Grundsatz: Wer diese elementaren Regeln nicht einhält, gefährdet den Weltfrieden und bereichert sich auf Kosten aller Mitmenschen, die ihre Wohnung nicht mehr heizen und wirklich notwendige Transporte nicht mehr leisten können. Mobiler Statuskonsum ist höchst unmoralisch!

Nun zu den notwendigen Transporten, nur denen die nun verabschiedeten Subventionen auf teuren Sprit gelten. „Ich bin aufs Auto angewiesen“ lautet eine Standardthese. Zweifellos sind Rettungsdienste, Feuerwehr, mobile Pflege und Gehbehinderte auf Kraftfahrzeuge angewiesen. Aber rechtfertigt die längere Fahrzeit mit Fahrrad, Bus und Bahn zum Büro gleich die Autofahrt? Muss man sich regelmäßig „angesagte“ Konsumgüter vom Diesellaster anliefern lassen? Brauchen wir fürs Seelenheil dauernd neue Klamotten, Kaffeemaschinen oder gar Küchen- und Badeinrichtungen, wie die Prospekte im Briefkasten uns suggerieren? Oder investieren wir lieber in Kultur, Kunst, Bildung, Literatur? Denn geistige Mobilität kann motorisierte glatt ersetzen.

Kurzum: Nie war private Mobilität eine derartige Gewissensfrage wie jetzt. Bund, Länder und Kommunen können das Gewissen erleichtern, indem sie schnellstens die Angebote von Bus und Bahn erweitern, finanziert durch Kostenwahrheit. Anwohnerparken, Flug- und Schiffstreibstoffe etc. müssen ihre volkswirtschaftlichen Kosten fortan decken.

Es ist nun Aufgabe der zivilgesellschaftlichen Initiativen wie VCD und Umweltverbänden, die plötzlich so unvermeidbare Verkehrswende von der Konsumgesellschaft einzufordern. Gern mag die verantwortliche Politik, abhängig vom motorisierten Wahlvolk, uns den schwarzen Peter zuschieben. Aber gemacht werden muss es jetzt!

Denn eine aufgeklärte Zivilgesellschaft kommt ohne Putins Öl, Gas und Kohle aus.

 

 

 

 

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